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Anschlag in Manchester : Kommentar: Distanz und Mitgefühl

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Reihe der Anschlagsziele in Europa ist lang. Und es ist zu befürchten, dass sie noch länger wird.

shz.de von
erstellt am 23.Mai.2017 | 20:13 Uhr

Nicht schon wieder. Das war wohl der erste Gedanke, der vielen Menschen kam, als sie von dem Terrorakt in Manchester hörten. Paris, Brüssel, Berlin, Istanbul, Stockholm, Manchester – die Reihe der Anschlagsziele ist lang und es steht zu befürchten, dass sie noch länger werden wird.

Dieser Umstand und – so zynisch das auch klingen mag – eine gewisse Gewöhnung an den Terror haben zu einem rationaleren, weniger emotionalen Umgang mit diesen feigen Taten geführt: In den Gesellschaften, die von ihm bedroht werden, wie auch in den Medien, die über den Terror berichten. Diese Distanziertheit ist kein Mangel an Mitgefühl, sondern eine Art natürlicher Schutzschild. Denn nach wie vor rücken die offenen und freien Gesellschaften in diesen Momenten zusammen, in allumfassender Empathie, aber vor allem auch in großer Hilfsbereitschaft.

Minuten nach dem Anschlag von Manchester öffneten Anwohner den Betroffenen ihre Wohnungen. Völlig Fremde, die nur durch die gleiche Traurigkeit und Fassungslosigkeit miteinander verbunden waren, verbrachten die Nacht unter einem Dach. Es scheint, als sei – auch das muss man vorsichtig formulieren – das Erregungspotential der Menschen nach den Anschlägen weniger geworden; es wird von pragmatischem Trotz und großer Hilfsbereitschaft zurückgedrängt. Der Terror, der das Vertrauen aller freien Gesellschaften erschüttern soll, verliert durch diese Solidarität einen Teil seines Schreckens. Und die Bilder, die die Terroristen in die Welt senden wollen, verlieren an Wirkung.

Es bleibt zu hoffen, dass nicht aus diesem Kalkül heraus der Anschlag von Manchester gegen diejenigen ausgeführt wurde, die wir besonders schützen: Gegen Kinder und Jugendliche. Aber es steht zu befürchten, dass der Selbstmord-Attentäter genau aus diesem Motiv heraus gehandelt hat. Die Demokratien der Welt standen am Dienstag erneut in ihrer Trauer zusammen. Schon wieder. Und sie haben wieder einmal gezeigt, dass sie sich vom Terror nicht bezwingen lassen.

 

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