Rassismus-Skandal bei der Bundeswehr : Kommentar: Die inkonsequente Ministerin

Der Vorwurf der Führungsschwäche wurde für Ursula von der Leyen zum Bumerang - jetzt hat sie sich entschuldigt.
Der Vorwurf der Führungsschwäche wurde für Ursula von der Leyen zum Bumerang - jetzt hat sie sich entschuldigt.

Ursula von der Leyen rudert zurück. Eine völlig unnötige Nebelkerze, meint Katharina Ritzer.

shz.de von
05. Mai 2017, 20:04 Uhr

Der Skandal in der Bundeswehr und der Umgang der Verteidigungsministerin damit sorgt für ein Déjà vu: Nicht die eigentliche Krise führt zum politischen Knock-Out, sondern erst der stümperhafte Umgang mit dieser Krise in der Öffentlichkeit – schöne Grüße auch von Christian Wulff und Karl-Theodor zu Guttenberg. Ursula von der Leyen hat ein massives Problem in ihrer Truppe, sie hat dieses Problem erkannt und als oberste Dienstherrin auch klar benannt. Gut so, möchte man rufen! Und jetzt mit Schwung auf zur Arbeit an den Lösungen!

Aber von wegen. Denn was passiert? Die uniformierte Lobby (ja, auch so etwas gibt es) jault reflexartig auf und die Ministerin beeilt sich, ihre Kritik zu relativieren. Natürlich leisteten alle Männer und Frauen beim Bund einen unverzichtbaren Dienst für unser Land, und natürlich gebühre ihnen allen dafür Dank und Anerkennung und so weiter. Von ihrer eigentlichen Kritik aber nimmt sie kein einziges Wort zurück, was von den Herren Generälen zwar bemerkt, aber lieber geflissentlich übersehen wird.

Was also soll diese völlig unnötige Nebelkerze, wo die Ministerin doch selbst gerade endlich für einen klaren Blick auf die Probleme gesorgt hat? Warum bleibt von der Leyen nicht konsequent und zeigt weiter klare Kante? Etwa, um auch diplomatisches Geschick im Umgang mit Militärs zu demonstrieren und sich so für den Job der Nato-Generalsekretärin zu empfehlen, wie Kenner der politischen Szene mutmaßen? Dann würde sie jedenfalls elegant der leidigen Debatte um die Merkel-Nachfolge ausweichen.

Wie auch immer: Wenn dieser Skandal später einmal als der Anfang vom Ende der ersten deutschen Verteidigungsministerin bewertet werden sollte, dann lag es jedenfalls wieder einmal nicht am Inhalt der Krise selbst. Sondern an ihrem Nicht-Management.


 

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