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AfD vs Muslime : Kommentar: Das Schweigen der Streithammel

vom

Die Kontrahenten AfD und Muslime wollten sich im Gespräch über die Probleme miteinander austauschen. Doch die Fronten bleiben verhärtet. Ein Kommentar von Mira Nagar.

von
erstellt am 23.Mai.2016 | 13:49 Uhr

Vielleicht wurde einfach schon zu viel Geschirr zerschlagen. Der NSDAP-Vergleich auf der einen, die programmatische Ausgrenzung auf der anderen Seite: Dass es ein gemütliches Kaffeekränzchen werden würde zwischen Frauke Petry und Aiman Mazyek, zwischen der AfD und deutschen Muslimen, war nicht zu erwarten. Doch dass es mit einem erbosten Abbruch enden würde, auch nicht. Schließlich wusste man auf beiden Seiten ob der großen Bedenken – die sicher auch mit einer gehörigen Portion Antipathie einhergehen. Trotzdem verabredeten sich die Kontrahenten zum Gespräch.

Dabei wäre es nicht einmal erforderlich gewesen, dass Petry und Mazyek am Ende freudestrahlend eine gemeinsame Pressekonferenz inklusive euphoriegetränkter Lobhudelei abhalten. Schließlich spricht die AfD dem Islam die Religionsfreiheit ab und Muslime halten die Rechtspopulisten wiederum für verfassungsfeindlich. Die Gräben sind tief.

Allerdings: Je weiter man politisch voneinander entfernt ist, desto mehr sollte man auf Sachlichkeit setzen. Darauf, dass man seine Positionen respektvoll deutlich macht. Dazu gehört auch, ein Gespräch zu Ende zu führen und nicht vorzeitig zu gehen, wie es Frauke Petry getan hat. Dieser Zug zeugt von mangelndem diplomatischen Gespür.  Auf dem politischen Parkett wird man  es  nun einmal immer wieder mit gegenläufigen Interessen zu tun haben. Es ist keine Selbstverleugnung, wenn man trotzdem miteinander spricht. Das ist simple Voraussetzung für Demokratie.

Wenn das Ergebnis eines Gesprächs ist, die Unterschiede festzuhalten sowie die Probleme, in denen man sich annähern kann, ist es schon ein Erfolg. Dann können weitere Gespräche folgen, die sich den heiklen Knackpunkten weiter nähern. Beste Freunde – da müssen wir uns nichts vormachen – werden die Kontrahenten ohnehin nicht mehr. Müssen sie aber auch nicht. Es geht darum, das Nebeneinander der beiden unfreiwilligen Nachbarn zu gestalten.

Mit dem Abbruch ist die AfD noch einmal auf das zerschlagene Geschirr draufgetreten. Um es überhaupt noch kitten zu können, sollte sie schnell eine Gegeneinladung aussprechen. Mit einem Mediator, dem es nicht um eine Sonntagabend-Quote geht, jemanden wie Richard David Precht vielleicht. Und mit mehr Respekt – von beiden Seiten.

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