Kleiderordnung war gestern

shz.de von
04. Februar 2015, 11:57 Uhr

Sollte sich der griechische Finanzminister als Leiter einer Raiffeisenbank-Filiale bewerben, der Mann hätte nicht den Hauch einer Chance. Nicht fehlende Sachkunde wäre der Grund für die Ablehnung, sondern sein Erscheinungsbild. Auch, wenn Jackett und farbiges Hemd aus einem teuren Designer-Shop stammen sollten, etwas im Finanzkreis Unabdingbares fehlt: die Krawatte. Der Verstoß gegen die Kleiderordnung auf höchster politischer Ebene wäre nicht der Rede wert, würde es sich um einen Einzelfall handeln. Aber die gesamte griechische Regierungsmannschaft kommt demonstrativ leger daher. Und nicht nur zu Hause zwischen den Trümmern ihrer Vergangenheit. Sogar auf Reisen in die elegante Modewelt von London, Paris und Rom tauchen sie hemdsärmelig auf. Es hat fast den Anschein, als wollten sie schon kleidungsmäßig demonstrieren, dass die herkömmlichen Regeln nicht mehr gelten, sondern eine neue revolutionäre Zeit angebrochen ist. Schulden zahlen? Ordentlich gekleidet auf Besuch gehen? Das war gestern. Bei Repräsentanten der alten Schule wie etwa Wolfgang Schäuble sorgt der Freizeitlook bestimmt nicht für Freigiebigkeit.

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