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Wahlkampf in SH : Kippt Angela Merkel das Angelverbot im Fehmarnbelt?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Freizeitfischer hoffen bei Auftritt der Kanzlerin in Heiligenhafen auf ein Machtwort – Umweltschützer warnen vor einem „Wahlgeschenk auf Kosten der Natur“.

shz.de von
erstellt am 12.Jul.2017 | 08:40 Uhr

Heiligenhafen | Die Hochseeangler hoffen, die Umweltschützer bangen: Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel an diesem Freitag zum Auftakt ihrer sommerlichen Wahlkampftour ins schleswig-holsteinische Ostseebad Heiligenhafen kommt, steht womöglich das seit über einem Jahr geplante Angelverbot in Teilen des Fehmarnbelts auf der Kippe. Freizeitfischer und Kutterkapitäne aus Ostholstein wollen jedenfalls mit einem Schiffskonvoi gegen das Verbot protestieren und Merkel davon überzeugen, dass die auf Druck der EU vorgelegte Verordnung von SPD-Bundesumweltministerin Barbara Hendricks zum Schutz des Belts und seiner Riffe nicht zu rechtfertigen ist.

„Wir wollen die Kanzlerin dazu bringen, dass sie bei ihrer Ministerin mal nachfragt, was das eigentlich soll“, sagt Willi Lüdtke, Vorsitzender des Verbands der Bäder- und Hochseeangelschiffe. Er hält das Angelverbot für überzogen und bezweifelt, dass die Hobbyfischerei den Riffen im Belt schadet. „Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis“, sagt er. Würde sich Hendricks hingegen durchsetzen, warnt Lüdtke, wäre dies das Aus für die ein Dutzend Anbieter von touristischen Angelfahrten im Belt: „Weitere Einschränkungen werden wir nicht überleben.“ Zudem begründet der Kutterkapitän die Ablehnung des Angelverbots damit, dass die Berufsfischerei im Belt einstweilen ja auch erlaubt bleiben soll.

Dagegen mahnt der Naturschutzbund Nabu, dass ein Einlenken gegenüber den Anglern die „besonders sensiblen Riffgebiete“ im Belt gefährden würde. „Es geht ja nicht um einsame Angler, die auch mal einen Fisch fangen, sondern um Kutter mit täglich bis zu 60 hoch motivierten Anglern“, gibt der schleswig-holsteinische Nabu-Chef Ingo Ludwichowski zu bedenken. Zudem kritisiert er das „Trolling“: Dabei schleppen hoch motorisierte Boote mehrere Angeln durchs Wasser. „Das hat natürlich Einfluss auf die geschützten Arten und Lebensräume“, sagt Ludwichowski. Die Riffe müssten davor geschützt werden, weil sie mit ihren „Geröllfeldern, Großalgen und standorttreuen Dorschen“ vor allem „wichtige Nahrungsräume für Deutschlands einzigen Wal, den Schweinswal“ seien.

Ministerin Hendricks wollte daher ursprünglich Angeln im gesamten Belt untersagen. Nach Protesten der Fischer bot sie letzten Sommer schon einen Kompromiss an: Nun soll das Angeln nur noch auf 30 Prozent der Beltfläche verboten werden. Allerdings hält Kapitän Lüdtke gerade diese 30 Prozent für die attraktivsten aus Anglersicht. „Da wäre es besser, wenn das Verbot auf den anderen 70 Prozent gelten würde“, kritisiert er. Im Bundeskabinett hat deshalb CSU-Fischereiminister Christian Schmidt Bedenken gegen die Verordnung seiner Kollegin angemeldet.

Sollte Merkel in Heiligenhafen ebenfalls für die Angler Partei ergreifen, wäre dies das endgültige Aus für Hendricks’ Pläne, fürchtet man beim Nabu. Daher warnt dessen Meeresexperte Kim Detloff die Kanzlerin eindringlich vor einem Einknicken: „Eine laute Minderheit darf nicht über EU-Naturschutzrecht entscheiden“, sagt er und fordert Merkel auf, „kein Wahlgeschenk auf Kosten der Meeresnatur“ zu machen. Ein CDU-Sprecher will auf Anfrage nichts zu Merkels Haltung sagen und der Rede für Freitag „nicht vorgreifen“. Es ist allerdings kein Geheimnis, dass Merkel nicht zuletzt wegen ihres Wahlkreises Rügen ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte von Fischern hat.

Selbst Schleswig-Holsteins grüner Umweltminister Robert Habeck mag sich nicht eindeutig auf die Seite der Naturschützer schlagen. Zwar halte er es „grundsätzlich für richtig“, dass Hendricks Naturschutzgebiete in Nord- und Ostsee einrichten will, sagt seine Sprecherin. „Doch ein pauschales Angelverbot im Fehmarnbelt schießt übers Ziel hinaus.“ Und ob Hendricks’ Kompromissvorschlag ein geeigneter Ausgleich zwischen Naturschutz und Angeln sei, könne man erst anhand des konkreten Entwurfs prüfen. Der aber liege in Kiel noch nicht vor.  

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