Kiew ruft Mobilmachung aus

Aufrüstung gegen die Separatisten: Mit der Einberufung weiterer Reservisten will der ukrainische Präsident  die Einheiten im Osten des Landes unterstützen.
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Aufrüstung gegen die Separatisten: Mit der Einberufung weiterer Reservisten will der ukrainische Präsident die Einheiten im Osten des Landes unterstützen.

Ukraine rüstet für Kampf um den Osten / Putin sendet Signale der Annäherung / Ermittlungen nach Flugzeugtragödie deuten auf Raketentreffer hin

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22. Juli 2014, 12:53 Uhr

Die Ukraine marschiert weiter auf einen Krieg zu. Wer geglaubt hatte, die Tragödie von Flug MH 17 mit fast 300 toten Menschen könnte die Konfliktparteien zu Friedensgesprächen bewegen, sieht sich getäuscht. Die prorussischen Separatisten und die ukrainischen Regierungstruppen haben seit dem Wochenende die Kämpfe in den Regionen Donezk und Lugansk ausgeweitet. Gestern ordnete Präsident Petro Poroschenko in Kiew eine weitere Teilmobilmachung der Streitkräfte an.

Im Zuge der Krim-Krise hatte die Regierung bereits Zehntausende Wehrpflichtige und Reservisten einberufen. Nun sollen neue Kräfte „die Unabhängigkeit des Landes verteidigen“, wie es in Kiew hieß. Der Befehl, sich auf einen Kriegseinsatz vorzubereiten, ist vor allem als Kampfansage an Moskau zu verstehen. Der Kreml unterstützt die Aufständischen im Osten der Ukraine seit Monaten, darunter mit schweren Waffen, wie sie beim vermuteten Abschuss einer malaysischen Passagiermaschine zum Einsatz gekommen sein sollen.

Der russische Präsident Wladimir Putin versprach zwar gestern erneut, „alles in unserer Macht Stehende zu tun, um Einfluss auf die Kämpfer in der Ostukraine auszuüben“. Zugleich verlangte er aber von Kiew eine Feuerpause und mahnte die westliche Staatengemeinschaft, „sich nicht in die inneren Angelegenheiten Russlands einzumischen“.

Auf eine Waffenruhe konnten sich die Konfliktparteien nur für ein eng begrenztes Gebiet rund um die Absturzstelle von Flug MH 17 verständigen. Immerhin kamen dort die Ermittlungen internationaler Experten voran. Die Aufständischen händigten den Flugschreiber und den Stimmrekorder an malaysische Spezialisten aus. Der russische Separatistenführer Alexander Borodaj sagte bei der Übergabe: „Die Geräte werden die Wahrheit enthüllen.“

Fachleute sind davon nicht überzeugt. Die Blackboxes dürften zwar Auskunft geben, in welcher Höhe die Boeing getroffen wurde. Einen Beweis, wer im Fall eines Raketentreffers das Geschoss abgefeuert hat, können die Daten aber nicht liefern. Umso wichtiger ist deshalb die Untersuchung der Wrackteile, die laut „New York Times“ bereits wichtige Erkenntnisse geliefert hat. Alles deute auf einen Abschuss durch die Separatisten hin. An den Flugzeugtrümmern seien Spuren von Granatsplittern entdeckt, wie sie für Raketensprengköpfe charakteristisch sind.

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