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Wahl in Österreich : Kern, Kurz, Strache: Diese drei Männer kämpfen um die Spitze

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Drei Kandidaten gelten in Österreich als aussichtsreich. Die Protagonisten im Überblick.

shz.de von
erstellt am 13.Okt.2017 | 08:22 Uhr

Wien | Österreich hat am Sonntag die Wahl. Insgesamt sind 6,4 Millionen der rund 8,8 Millionen Einwohner wahlberechtigt. Jeder österreichische Staatsbürger ab 16 Jahren darf seine Stimme für eine Partei abgeben. Eine Zweitstimme wie in Deutschland gibt es nicht, dafür können Österreicher bis zu drei Kandidaten der gewählten Partei je eine Vorzugsstimme geben. So können aussichtslos gereihte Politiker mit genügend Fans intern vorrücken und doch in den Nationalrat einziehen.

Die Österreich-Wahl in Zahlen
  • Insgesamt kämpfen 16 Parteien um den Einzug in den Nationalrat - so viele wie nie zuvor.
  • Zehn Parteien treten österreichweit an, sechs in einzelnen Bundesländern.
  • Die Parteien müssen eine Vier-Prozent-Hürde überspringen oder ein Mandat in einem Regionalwahlkreis erringen, um künftig im Parlament Platz nehmen zu dürfen.
  • Laut Umfragen können erneut sechs Parteien realistischerweise auf einen Einzug hoffen.
  • In Österreichs Nationalrat saßen zuletzt 183 Abgeordnete. 99 Männer und Frauen kamen von den beiden Volksparteien SPÖ und ÖVP. Die rechte FPÖ stellte mit 40 Abgeordneten die größte Oppositionspartei.
  • Das Bündnis aus sozialdemokratischer SPÖ und konservativer ÖVP ist seit 1945 dominierend in der Alpenrepublik.
  • Die beiden Volksparteien kommen auf rund 45 gemeinsame Jahre an der Macht. Seit 2007 sind sie nach einer Koalitionsphase von ÖVP und rechter FPÖ wieder zusammen, zuletzt mit knapper Mehrheit bei der Parlamentswahl 2013 bestätigt.
 

Das sind die aussichtsreichsten Kandidaten.

Christian Kern (SPÖ): Smarter Quereinsteiger aus der Wirtschaft

Die Affäre kommt für SPÖ-Chef Christian Kern zur Unzeit.
Die Affäre kommt für SPÖ-Chef Christian Kern zur Unzeit. Foto: Hans Punz
 

Seine ersten politischen Auftritte im Mai 2016 versprachen Aufbruch und Bewegung. Nach dem Reform-Stillstand der Kanzlerschaft von Werner Faymann wurde Christian Kern, der smarte Quereinsteiger aus der Wirtschaft, von vielen Österreichern als Hoffnungsträger begrüßt. Kern kritisierte die eigene Partei, die Politikerkaste als solche und warnte vor dem Untergang der inzwischen volksfernen Volksparteien.

 

Der vierfache Vater, der jahrelang Alleinerziehender war und in der Jugend als Babysitter Geld verdiente, ist bekennender „Kopf-Mensch“. Er lässt sich auch privat eher vom Verstand als von Emotionen leiten. Anfangs galt Kern - nach seinem Studium zunächst Wirtschaftsredakteur - als umsetzungsstark und visionär. Der harte Wahlkampf, die vielen Pannen der eigenen Partei und die Angriffe von außen ließen ihn zuletzt aber immer wieder emotional und zu aggressiv wirken. Kern ist im Wiener Arbeiterbezirk Simmering aufgewachsen. Auf Facebook läuft unter dem Motto „Es gab wenig Geld, aber viel Liebe“ ein Video zum Aufstieg aus einfachen Verhältnissen.

Rund 15 Jahre lang hatte der heute 51-Jährige in staatsnahen Betrieben wie dem Energiekonzern Verbund und den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) gearbeitet. Von 2010 bis 2016 war er als ÖBB-Chef Vorgesetzter von 40.000 Mitarbeitern. Der passionierte Läufer und Mountainbiker identifizierte sich nicht völlig mit der neuen Rolle. „Für mich ist die Aufgabe hier ein Projekt für zehn Jahre“, sagte er in einem seiner ersten Interviews. Seine Markenzeichen: geschliffene Rhetorik und eng sitzende Anzüge. Als „Slim-Fit-Kanzler“ machte er international eine gute Figur. 2017 litt sein Image als Macher unter den Querelen in der Koalition.

Sebastian Kurz (ÖVP): Wächter der Balkanroute

ÖVP-Chef Sebastian Kurz ist schon früh in die Politik gegangen und bekam als Jungpolitiker viel Gegenwind ab.
ÖVP-Chef Sebastian Kurz ist schon früh in die Politik gegangen und bekam als Jungpolitiker viel Gegenwind ab. Foto: Herbert Pfarrhofer
 

In einem seiner Wahlkampfvideos klettert der 31-jährige ÖVP-Chef auf den knapp 3000 Meter hohen Dachstein. Die Botschaft: Einer, der den Weg findet, die richtigen Entscheidungen trifft und das Land wieder an die Spitze führt. Und eine vielsagende Frage: „Glaubst du, du weißt selber alles besser? Oder vertraust du auch auf die Erfahrung anderer?“ Kurz, der in seiner Freizeit tatsächlich auf Berge klettert und wandert, umgibt sich jedenfalls gern mit kundigen Beratern. Sein engster Kreis ist seit Jahren unverändert, seine Kampagne läuft perfekt wie aus einem Guss.

 

Kontrolliert und konzentriert geht Kurz ans Werk. Seinen Kritikern wirkt er dabei oft zu glatt, seine Sprüche seien zu schablonenhaft, seine Reaktionen zu erwartbar. Politische Erfahrung in hohen Ämtern hat Kurz schon mit 24 Jahren als Integrations-Staatssekretär gesammelt. Der damalige Spott wegen seines Alters hat ihn geprägt. „Durchhalten auch bei Gegenwind“ - ist seine Devise. Mit 27 Jahren wurde er Außenminister.

National und international hat er sich seinen Ruf vor allem durch seine strikte Anti-Migrationspolitik erarbeitet. Er sonnt sich darin, dass andere Länder seine Ansichten mittlerweile teilen. Seine politische Sternstunde war die von ihm mitinitiierte Schließung der Balkanroute zur Eindämmung der illegalen Zuwanderung.

Kurz ist im Wiener Arbeiterbezirk Meidling aufgewachsen. Seine Mutter ist Lehrerin, sein Vater Techniker. Sein Privatleben schirmt Kurz weitgehend von der Öffentlichkeit ab. Selten sind die gemeinsamen Auftritte mit Partnerin Susanne.

Heinz-Chrstian Strache (FPÖ)

Der Vorsitzende der österreichischen Partei FPÖ, Heinz-Christian Strache hat seine Aggressiv-Rhetorik aufgegeben und gibt sich staatsmännisch.
Der Vorsitzende der österreichischen Partei FPÖ, Heinz-Christian Strache hat seine Aggressiv-Rhetorik aufgegeben und gibt sich staatsmännisch. Foto: dpa
 

Der Retter der FPÖ will endlich in die Regierung Sein ganzer Stolz gilt dem Wiederaufstieg der FPÖ. Als Heinz-Christian Strache die Partei 2005 übernahm, lag sie bei wenigen Prozent, inzwischen sind die Rechtspopulisten als dritte Kraft in Österreich fester denn je etabliert. Bei den Wahlen 2013 erreichten sie 20,5 Prozent. Der 48-Jährige selbst hat im Ringen um die Wähler der Mitte seinen polternden Ton weitgehend abgelegt und gibt sich staatstragend. Die sozialen Medien nützt er geschickt für die Kommunikation mit seinen Fans. In den Wahlkampfvideos buhlt er mit viel Witz und Charme, ganz ohne aggressive Zwischentöne, um Stimmen.

 

Antisemitische Töne sind inzwischen offiziell verpönt. Der zweifache Vater selbst war mehrfach auf Polit-Reisen in Israel. Die Migration und die angebliche Bedrohung durch den politischen Islam sind Hauptthemen der FPÖ. Im Wahlkampf warnt die FPÖ vor allem vor einer möglichen Fortsetzung der Koalition der Volksparteien SPÖ und ÖVP.

Straches Lieblingsgestalt in der Geschichte ist der deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck; sein liebster Romanheld der sagenhafte Robin Hood. Strache hat Erfahrung in der Auseinandersetzung von Mann zu Mann. Als er sich einst von einem Salzburger Arzt beleidigt fühlte, focht der FPÖ-Politiker ein Duell mit stumpfen Waffen gegen den Mediziner aus. Zu seinem Kreis gehören bis jetzt Mitglieder national-konservativer schlagender Burschenschaften.

Straches politischer Ziehvater war der Rechtspopulist Jörg Haider (1950-2008), mit dem er sich bei Weitem nicht immer einig war. Als Haider 2005 die FPÖ verließ und das Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) gründete, war der Weg für Strache frei. Seit Längerem ist er dabei, die FPÖ zumindest dem Anschein nach mehr in die Mitte zu rücken.

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