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TV-Duell Steinbrück gegen Merkel : Keine neuen Erkenntnisse

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Beim einzigen Fernsehduell zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem SPD-Herausforderer Peer Steinbrück zeigten vor allem die Moderatoren Schwächen.

Sie haben ihre Stärken und Schwächen und beide Seiten zeigten die beiden Kandidaten gestern Abend deutlich: Peer Steinbrück schätzt die knappe und präzise Aussage. Das geht oft auf Kosten der Verständlichkeit. Er hat seine Stichpunkte parat und will auch möglichst viele davon unterbringen. Das nahm ihm einen guten Teil seiner Stärken, die er als Redner zweifelsohne hat. Gestern zeigte er sie nur selten, weil er immer wieder in Aufzählungen geriet und sich in Details verlor, die Merkel gar nicht erst erwähnte. Steinbrück ließ sich außerdem leicht mal aufs Glatteis locken, zum Beispiel bei der Frage nach der Höhe der Beamtenpensionen. Oder er legte sich mit den Moderatoren an, wenn sie ihn aggressiv befragten. Unbedachtheit war schon bisher seine Schwäche im Wahlkampf. Viel zu selten glückte ihm die Attacke gegen die Kanzlerin. Wenn er es schaffte, bewies er Hartnäckigkeit, setzte nach und trieb Angela Merkel gekonnt in die Ecke. Kein Zweifel, er ist ein Politiker von Format.

Die Kanzlerin befreite sich in der zweiten Hälfte recht geschickt aus der Defensive und spielte ihre Stärken aus: Die ruhige Antwort, die staatsmännische Attitüde und ein Lächeln, das Peer Steinbrück nur selten gelang. Als regierende Kanzlerin brachte sie den Vorteil des Amtes mit. Sie ließ sich nicht aus der Reserve locken, ging locker über provokante Fragen hinweg und vermittelte das Bild der Wohlfühl-Kanzlerin für alle, Grundlage ihrer guten Umfragewerte. Dass sie inhaltlich blass bleibt und wenig Profil beweist, verschwindet hinter Form und Haltung. Das macht sie sehr geschickt.

Ist Peer Steinbrück seinem Ziel näher gekommen, mit dem Fernsehduell die Wende einzuleiten? Er machte zwar eine passable Figur, aber der große Durchbruch war es nicht. Merkel hingegen darf zufrieden sein, weil es ihr gelang, den gefährlichen Gegner auf Abstand zu halten. Dabei half ihr die Moderation, die in Teilen unsäglich war. Peer Steinbrück hatte mehrfach mit echten Fouls zu tun. Stefan Raab war bemüht, provokant zu fragen und zeigte doch nur seine Inkompetenz. Eine echte Diskussion der beiden Spitzenkandidaten, die sich bisweilen entspann und interessant zu werden drohte, unterbanden die Moderatoren mit neuen Fragen: Sie fragten ab, ihr Themenzettel dominierte den Abend und nicht der Schlagabtausch der Kandidaten. Schade. Die Sender sollten diese Sendeform in Frage stellen und Totalausfälle wie Raab vermeiden.

Am Ende bleibt die Frage, ob wir nach dem Duell der beiden Spitzenkandidaten wirklich klüger sind? Steinbrück und Merkel unterstrichen ihre Stärken und Schwächen, neue Erkenntnisse gab es nicht.

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erstellt am 02.Sep.2013 | 07:17 Uhr

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