Keine Angst vor dem „Grexit“

Möglicher Euro-Ausstieg Griechenlands

shz.de von
04. Januar 2015, 16:18 Uhr

Mit den anstehenden Neuwahlen in Griechenland ist die Diskussion um den „Grexit“ voll entbrannt, also um den möglichen Ausstieg Griechenlands aus dem Euro. Die Diskussion wird sehr viel nüchterner geführt als 2010, als Griechenland schon einmal am Abgrund stand. Und das aus gutem Grund. Die Situation damals ist mit der heutigen nicht vergleichbar. 2010 rückte die Diskussion auch andere Staaten in den Fokus. Spanien, Portugal und Irland mussten unter den Rettungsschirm. Sie konnten (oder wollten) die von den Märkten geforderten Zinsen nicht zahlen. Solche Ansteckungseffekte drohen dieses Mal nicht. Die Europäische Zentralbank (EZB) steht mit ihrem Anleiheaufkaufprogramm bereit, die Zinsen unten zu halten. Außerdem ist der Finanzsektor weitgehend stabilisiert.

Natürlich wäre der „Grexit“ keine gute Nachricht. Gläubiger müssten auf ihr Geld verzichten, die neue Währung würde ins Bodenlose stürzen, es gäbe in Griechenland eine galoppierende Inflation. Für den Rest des Euroraums wäre das alles aber besser als die andere Option. Würde die Troika aus EZB, Internationalem Währungsfonds und EU-Kommission einknicken und einer neuen griechischen Regierung Geld ohne Gegenleistung geben, so würde dies auch anderswo Begehrlichkeiten wecken. Schnell würden auch andere Regierungen von ihrem Konsolidierungskurs abrücken. Die Krise wäre schneller zurück als gedacht.
Wenn es schon einen Monat nach den Wahlen darum geht, ein neues Kreditpaket für Athen zu schnüren, muss die Troika zeigen, dass sie nicht erpressbar ist.

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