Interner Streit : Kathrin Oertel verlässt Pegida - Demo am Montag abgesagt

Fünf Mitglieder des Pegida-Organisationsteams sind zurückgetreten. Grund soll der ehemalige Vorsitzende Lutz Bachmann sein.

shz.de von
28. Januar 2015, 18:40 Uhr

Dresden | Streit bei Pegida: Kathrin Oertel (37) und vier weitere Mitglieder aus der Führungsspitze der Pegida haben am Dienstagabend ihre Ämter niedergelegt. Das bestätigte das Bündnis am Mittwoch auf seiner Internetseite.

„Kathrin hat vorerst ihr Amt als Pressesprecherin niedergelegt“, teilte Pegida mit und sprach von einer „Auszeit“ wegen massiver Anfeindungen, Drohungen und beruflicher Nachteile. Weiter hieß es, der frühere CDU-Stadtrat von Meißen, Thomas Tallacker, habe in letzter Zeit wegen der Presseberichterstattung berufliche Nachteile gehabt. In einer Sondersitzung soll in den nächsten Tagen ein neuer Vorstand gewählt werden.

Bei einer Sitzung am Dienstagabend sei es um die Rolle von Pegida-Mitbegründer Lutz Bachmann gegangen. Nach Worten von Vereinsvize René Jahn geht es vor allem darum, dass Bachmann im Orga-Team verbleiben wolle. Der „Bild“-Zeitung sagte Jahn, deswegen sei er mit Oertel, Achim Exner, Bernd-Volker Lincke, Thomas Tallacker zurückgetreten. „Mit diesem Nazi-Zeug und den rechten Äußerungen möchte ich nichts zu tun haben.“

Wirtschaftsberater Bernd-Volker Lincke sagte: „Ich kann und will mich mit den Äußerungen von Lutz Bachmann nicht identifizieren.“ Tallacker sagte auf dpa-Anfrage, er wolle sich vor Donnerstag nicht äußern.

Pegida-Mitbegründer Lutz Bachmann sagte der „Süddeutschen Zeitung“, Oertel sei zurückgetreten, weil sie aus Antifa-Kreisen massiv bedroht worden sei. Weder Oertel noch er stünden künftig für Vorstandsposten zur Verfügung. Bachmann, bis dato das Gesicht der Bewegung, war über ein Foto mit „Hitler-Bärtchen“ und Facebook-Posts mit menschenverachtenden Beleidigungen von Ausländern gestolpert. Am Mittwoch vergangener Woche hatte er sein Amt als Vereinsvorsitzender niedergelegt.

Die Demonstration der Bewegung in Dresden am kommenden Montag wurde abgesagt. Dies berichtet Spiegel Online. Die Stadt habe bestätigt, dass die Organisation die Veranstaltung abgesagt habe. Zu den Gründen sei nichts bekannt.

Nach dem Rückzug von Frontmann Lutz Bachmann am 21. Januar wollte die islamkritische Bewegung eigentlich unbeirrt weitermachen. Sie gehe davon aus, dass die Arbeit „genauso weitergeht wie bisher“, hatte Kathrin Oertel damals gesagt.

Neben Bachmann gilt Oertel als Gesicht der Pegida-Bewegung.  Sie hatte den Verein mitgegründet und vertrat ihn bei Presseterminen, wie zum Beispiel in einer ARD-Talkshow bei Günter Jauch.

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Bei Twitter sehen einige Follower den Rücktritt schon als den Anfang vom Ende der Pegida-Bewegung.

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>Diese seltsame Frau Oertel hat wohl jetzt bei <a href="https://twitter.com/hashtag/Pegida?src=hash">#Pegida</a> auch die Brocken hingeschmissen.&#10;&#10;Der Rest wird sich dann auch bald in Luft auflösen.</p>&mdash; Redwyne (@Paxter_Redwyne) <a href="https://twitter.com/Paxter_Redwyne/status/560440831950471168">28. Januar 2015</a></blockquote>

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<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>Erst der Bachmann, jetzt die Oertel. Dann kann der Rest von <a href="https://twitter.com/hashtag/pegida?src=hash">#pegida</a> ja auch endlich zurücktreten.</p>&mdash; Micha L (@MichaelMuc) <a href="https://twitter.com/MichaelMuc/status/560439557704122368">28. Januar 2015</a></blockquote>

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<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>Tschüss <a href="https://twitter.com/hashtag/pegida?src=hash">#pegida</a> , war klar dass ihr nicht lange durchhaltet ohne euch selbst zu zerfleischen! Frau <a href="https://twitter.com/hashtag/Oertel?src=hash">#Oertel</a> hat fertig und das ist gut so!</p>&mdash; Edi Trub (@DieBrut) <a href="https://twitter.com/DieBrut/status/560438506284404737">28. Januar 2015</a></blockquote>

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Der Extremismus-Experte Timo Reinfrank sieht die Führungskrise nicht als Ende für das Bündnis. Der Koordinator der Amadeu-Antonio-Stiftung, die Initiativen gegen Rechtsextremismus unterstützt, sagte, entscheidend sei nun, ob es dem Bündnis gelinge, sich neu aufzustellen.

Auch der Dresdner Politikwissenschaftlers Werner J. Patzelt sagte, die Führungskrise müsse nicht das Ende von Pegida bedeuten. Es werde sich zeigen, ob Pegida tatsächlich im Wesentlichen aus Rassisten, Faschisten oder Neonazis bestehe.

Der Berliner Politikwissenschaftler Hajo Funke sieht dagegen keine Zukunft für das Bündnis. „Das ist der Anfang vom Ende der Pegida-Bewegung“, sagte Funke. Derart viel Chaos könne das Bündnis nicht ertragen.

SPD-Chef Sigmar Gabriel sieht angesichts der Führungskrise den Zenit der islamkritischen Bewegung überschritten. Die Organisatoren zerlegten sich gerade, „was ja vielleicht auch eine Erlösung für Dresden ist“, sagte Gabriel am Mittwochabend in der ZDF-Sendung „Was nun?“. „Ich glaube, dass wahrscheinlich der öffentliche Zenit dieser Demonstrationen überschritten ist“, sagte der Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister.

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