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Gipfel zur nuklearen Sicherheit : Karte: Diese Länder haben Atomwaffen

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Aus der Onlineredaktion

Am Donnerstag beginnt der vierte Gipfel zur nuklearen Sicherheit in den USA. Welche Länder verfügen überhaupt über Atomwaffen? Eine Übersicht.

Washington | Die gefühlte Bedrohung durch Atomwaffen ist in diesen Tagen groß: Seit den Anschlägen in Belgien am 22. März fürchten viele Menschen, dass Terroristen auch vor nuklearen Waffen nicht zurückschrecken würden. Auch über Atomkraftwerke als Anschlagsziel wird diskutiert. Auf der anderen Seite steht zudem Nordkorea, dessen Machthaber Kim Jong Un kürzlich die sofortige Einsatzbereitschaft nuklearer Waffen angeordnet hat. Das verarmte Land droht dem Westen regelmäßig mit Vernichtung, sein Atomprogramm läuft auf Hochtouren.

Die Sorgen in der Bevölkerung sind groß. „Nuklearer Terrorismus ist eine der größten Bedrohungen unserer gemeinsamen Sicherheit“, erklärte zudem die US-Regierung vor dem Gipfel. Aber: Es sei für Terroristen heute schwieriger denn je, an nukleares Material zu kommen.

Beim vierten Gipfel zur nuklearen Sicherheit, der am Donnerstag in Washington beginnt, soll über die Gefahren des nuklearen Terrorismus debattiert werden. Ziel ist es, die weltweiten Bestände radioaktiven Materials zu verringern und so gut wie möglich zu sichern. 50 Staaten und internationale Organisationen werden der Einladung der USA folgen.

Es ist der vierte und voraussichtlich letzte Gipfel dieser Art (2010/Washington, 2012/Seoul, 2014/Den Haag). Nukleare Sicherheit ist ein Kernanliegen Obamas, der das Gipfelformat 2009 in Prag ins Leben gerufen hatte. Es begründete 2009 seinen Friedensnobelpreis mit.

Vagabundierendes Nuklearmaterial ist für viele Regierungen weltweit Anlass zu großer Sorge. Nach Berichten der internationalen Atomenergieorganisation IAEA verschwindet jährlich etwa 100 Mal irgendwo auf der Welt radioaktives Material. Allerdings ist dieses nicht immer hoch angereichert, was für die äußerst komplizierte Herstellung einer Atombombe nötig wäre.

Tatsächlich kann sich Obama einigen Erfolg bei Reduzierung oder dem kompletten Abzug radioaktiven Materials in 14 Ländern wie der Ukraine oder Chile auf die Fahnen schreiben. Seit 2009 wurden offiziellen Angaben zufolge 3,8 Tonnen Nuklearmaterial gesichert, ausreichend für 150 Atomwaffen.

Andererseits beobachtet Washington zum Beispiel die Bewaffnung Pakistans mit kleineren taktischen Atomwaffen sehr argwöhnisch, weil diese besonders leicht zu entwenden seien, berichtet die „New York Times“.

Russland nimmt an dem Gipfel nicht teil. Laura Holgate, Obamas Spitzenberaterin für nukleare Sicherheit, sagte in Washington: „Das Ziel dieses Gipfels ist es nicht, jemanden anzuklagen. Wir wollen herausfinden, welche Schritte wir gemeinsam gehen können - und sicherlich auch, welche Schritte einzelne Länder gehen können.“ Bindende Beschlüsse werden in Washington nicht gefasst.

Kopfzerbrechen bereite den USA die Entwicklung in Belgien, schreibt die „New York Times“. Das Land sei so zerfasert und desorganisiert, dass man eine Gefährdung seiner Atomanlagen fürchten müsse. Dies nähre die Sorge vor einem ungleich schlimmeren Anschlag als dem jüngsten in Brüssel.

Der Haupttag des Gipfels ist der Freitag, er wird mit einer Pressekonferenz Obamas am frühen Abend (Ortszeit) abgeschlossen. Am Donnerstag kommt es nach Ankunft der Delegationen zu zahlreichen bi- und multilateralen Treffen, unter anderem zum Thema Nordkorea.

Doch welche Staaten verfügen überhaupt über Atomwaffen? Offiziell gibt es nur fünf Atommächte: die UN-Vetomächte USA, Russland, Frankreich, Großbritannien und China. Doch es gilt als sicher, dass auch Nordkorea, Indien, Pakistan und Israel Kernwaffen besitzen. Die in der Karte angegebene Zahl der Sprengköpfe hat das Friedensforschungsinstitut Sipri für Anfang Januar 2015 geschätzt - Israel hat den Besitz von Atomwaffen nie offiziell bestätigt.

Die Menge der Waffen variiert jedoch sehr stark - das verdeutlicht auch die folgende Grafik:

 Hinzu kommen Länder, in denen ausländische Atomwaffen stationiert sind:

Vor dem Nukleargipfel haben Linke und Grüne zudem die Bundesregierung dazu aufgefordert, sich für den Abzug der verbliebenen Atomwaffen in Deutschland einzusetzen. „Wir brauchen atomwaffenfreie Zonen. Deutschland sollte eine dieser Zonen sein, denn die Menschen wollen keine Atombomben vor ihrer Haustür“, sagte Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter. „Deswegen muss die Bundesregierung mit den USA über den Abzug nuklearer Sprengköpfe verhandeln, die noch immer auf deutschem Boden lagern.“

Linksfraktionschefin Sahra Wagenknecht verwies darauf, dass sich der Bundestag bereits 2010 auch mit den Stimmen von Union und SPD für den Abzug der Atomwaffen ausgesprochen hat. „Es ist ein Armutszeugnis und steht im Widerspruch zu einer souveränen Regierung, dass sich die große Koalition nicht traut, in dieser existenziellen Frage einen Beschluss des Deutschen Bundestags gegenüber der US-Administration zu vertreten“, sagte Wagenknecht.

Nach Expertenschätzung lagern in Büchel in der Eifel (Rheinland-Pfalz) noch 10 bis 20 Atomsprengköpfe aus den Zeiten des Kalten Kriegs, für deren Einsatz im Ernstfall die Bundeswehr „Tornado“-Kampfflieger bereit hält.

Der Bundestag setzte sich 2010 zwar mit den Stimmen von Union, SPD, FDP und Grünen für einen Abzug ein. Allerdings erklärte die damalige schwarz-gelbe Regierung auch, dass es keinen Alleingang ohne Abstimmung mit den Nato-Partnern geben werde. Nuklearwaffen sind weiterhin ein zentraler Bestandteil des Abschreckungskonzepts der Nato.

Am Donnerstag und Freitag beraten mehr als 50 Staats- und Regierungschefs sowie zahlreiche Vertreter internationaler Organisationen auf Einladung von US-Präsident Barack Obama in Washington über nukleare Sicherheit. Dabei soll die Gefahr eines Missbrauchs von Nuklearmetarial durch Terroristen im Vordergrund stehen. Obama hatte 2009 in einer Rede das Fernziel einer atomwaffenfreien Welt ausgegeben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nimmt an dem Gipfel in Washington nicht teil. Sie wird von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) vertreten.

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erstellt am 31.Mär.2016 | 06:55 Uhr

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