zur Navigation springen

Streit mit Russland und Kanada : Kalte Strategie am Nordpol: Dänemark rüstet in der Arktis auf

vom

Russland schafft beim Streit um die Arktis seit Monaten Fakten. Dänemark steuert leisen Schrittes nach.

shz.de von
erstellt am 22.Jun.2016 | 13:49 Uhr

Dänemark betrachtet sich über sein autonomes Gebiet Grönland als arktische Großmacht und erhebt territoriale Ansprüche auf den nördlichsten Punkt der Welt. Daraus zieht die Regierung von Staatsminister Lars Løkke Rasmussen nun einmal mehr militärische Konsequenzen. Verteidigungsminister Peter Christensen hat eine Arktis-Analyse vorgelegt, nach der Dänemark rund 360 Millionen Kronen (ca. 48,5 Millionen Euro) für eine Aufrüstung im eisigen Norden investieren will.

Der Nordpol ist ein großer Streitpunkt in der internationalen Politik, bei dem sich selbst die Nato-Partner nicht immer einig sind. Neben einem Viertel der weltweiten Öl- und Gasvorkommen werden im Nordpolarmeer weitere große Vorkommen von Rohdiamanten, Nickel, Gold und Mangan vermutet. Das kleine Dänemark muss sich mit Großmächten Kanada, den USA und Russland auseinandersetzen.


Ein solcher Betrag mag im Kontext der Größenordnung sonstiger Militärausgaben des Landes als „Peanuts“ erscheinen – eben dies soll es laut der dänischen Politik auch. Die militärische Präsenz in der Arktis dürfe von anderen nicht als militärische Bedrohung angesehen werden, betonte damit der verteidigungspolitische Sprecher der oppositionellen Sozialdemokraten, Henrik Dam Kristensen. In Russland, das wie auch Kanada ebenfalls über die jeweiligen Ansprüche auf die Arktis mit Dänemark uneins ist, kommt der Vorstoß allerdings anders an. Der Direktor einer russischen Denkfabrik, Andrej Kortunov, wies in diesem Kontext darauf hin, dass die Arktis von Russland als wichtiges strategisches Gebiet eingestuft worden sei.


Konkret geht es laut der Zeitung „Jyllands Posten“ um Satelliten-Überwachung, um bessere Kommunikation, um mehr Einsätze durch die Marine. Darüber hinaus soll eine eigene grönländische Heimwehr gebildet werden. Diese Freiwilligen-Reserve soll dem arktischen Kommando in Nuuk unterstellt werden. Das insgesamt 85-köpfige Kommando ist dem dänischen Verteidigungsminister direkt unterstellt und dient dem Schutz der Außengebiete des dänischen Königreichs.

Russland hat seit 2014 ebenfalls eigenes arktisches Kommando, dem die Nordmeerflotte sowie Einheiten des zentralen und östlichen Militärkreises unterstellt sind. Im vergangenen Jahr hat Präsident Wladimir Putin eine große Militärbasis am Nordpolarmeer bauen lassen, in der nach Angaben der Regierung 150 Soldaten eineinhalb Jahre lang autonom leben können. Russland hat bei der UNO die Hoheitsrechte über eine Fläche von 1,2 Millionen Quadratkilometern in der Arktis eingefordert, Dänemark fordert die 900.000 Quadratkilometer, die 200 Seemeilen von Grönlands Küste entfernt liegen.

2007: In 4261 Meter Tiefe schafft Russland Fakten am unterseeischen Nordpol. Der Roboterarm eines U-Bootes stößt bei einer Live-Übertragung demonstrativ eine weiß-blau-rote Nationalflagge Russlands in den Meeresboden.
2007: In 4261 Meter Tiefe schafft Russland Fakten am unterseeischen Nordpol. Der Roboterarm eines U-Bootes stößt bei einer Live-Übertragung demonstrativ eine weiß-blau-rote Nationalflagge Russlands in den Meeresboden. Foto: dpa
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen