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Islamistische Rebellen : Kabinett beschließt erweiterten Mali-Einsatz der Bundeswehr

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Nach und nach wird der Bundeswehr-Einsatz in dem von Islamisten bedrohten Wüstenstaat Mali erweitert - und damit gefährlicher.

shz.de von
erstellt am 13.Apr.2016 | 13:38 Uhr

Berlin | Mehr Verantwortung für die Bundeswehr im westafrikanischen Mali. Das Bundeskabinett verabschiedete am Mittwoch eine Erweiterung des Einsatzmandats. Die seit drei Jahren laufende EU-Trainingsmission mit 560 Soldaten - darunter 200 Deutschen - ist bisher auf ein Camp in der Nähe der Hauptstadt Bamako beschränkt.

Wenn der Bundestag das neue Mandat billigt, können die deutschen Militärausbilder auch in dem von islamistischen Rebellen terrorisierten Norden des Landes tätig werden. Ihr Aktionsradius würde dann bis zu den Städten Timbuktu und Gao reichen. Die deutschen Streitkräfte haben als Teil der EU-Ausbildungsmission bisher 8000 Soldaten ausgebildet - zwei Drittel der malischen Landstreitkräfte.

Bundeswehreinsatz in Mali: Karte, Standorte und Truppenstärken

Bundeswehreinsatz in Mali: Karte, Standorte und Truppenstärken

Foto: dpa Infografik
 

Das Kabinett beschloss auch die Fortsetzung der deutschen Beteiligung an dem Anti-Piraterie-Einsatz vor der Küste Somalias. Die deutsche Marine stellt aktuell den Kommandeur der EU-Schiffe. Die Zahl der Angriffe von Piraten in dem Seegebiet ist seit Beginn des Einsatzes 2008 stark zurückgegangen.

Der unruhige Norden Malis: Rückzugsgebiet von Dschihadisten

Die Weiten der Sahara im Norden Malis sind seit Jahren ein Rückzugsgebiet für militante Separatisten und Islamisten. Dort sollen sich unter anderem Kämpfer verstecken, die dem Terrornetzwerk Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQMI) die Treue geschworen haben. Aber auch der Süden des Landes, in dem die Hauptstadt Bamako liegt, ist vor Anschlägen nicht sicher.

Die sunnitische Terrororganisation AQMI ist zuletzt wieder erstarkt. Vor wenigen Monaten wurden bei Anschlägen auf Hotels in Malis Hauptstadt Bamako und in Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou rund 50 Menschen getötet. Anfang Januar entführten die Extremisten in der nordmalischen Stadt Timbuktu auch eine schweizer Missionarin. Im März griffen mutmaßliche Islamisten eine Unterkunft der EU-Ausbildungsmission EUTM in Bamako an.

In der Region sind auch Kämpfer der Islamistengruppe Ansar Dine aktiv sowie Rebellen des Nomadenvolks der Tuareg, die seit Jahrzehnten nach mehr Autonomie streben. Nach dem gewaltsamen Sturz des Regimes des Langzeitherrschers Muammar al-Gaddafi in Libyen 2011 flossen viele Waffen über die porösen Grenzen der Sahara-Anrainerstaaten in die Region. 2012 übernahmen Islamisten und Tuareg-Rebellen für einige Monate in Nordmali die Macht. Erst ein militärisches Eingreifen der früheren Kolonialmacht Frankreich im Januar 2013 ermöglichte die Rückeroberung. 

Im Vorjahr haben die meisten Gruppen ein Friedensabkommen akzeptiert, dessen zähe Umsetzung von einer Friedensmission der Vereinten Nationen mit etwa 11 600 Soldaten und Polizisten überwacht wird. 73 Blauhelmsoldaten haben nach UN-Angaben seit Beginn des Einsatzes im März 2013 das Leben verloren. Seit wenigen Wochen sind auch deutsche Blauhelmsoldaten im Norden Malis stationiert.

Nordmali ist etwa so groß wie Frankreich und kaum effektiv zu überwachen. Der gesamte Staat mit seinen 17 Millionen Einwohnern gehört zu den ärmsten Ländern der Welt.

 

 

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