Erneuerbare Energien : Jobs durch Windkraft - noch viel Luft nach oben

Durch die Windenergie-Branche werden kaum neue Jobs geschaffen.
Foto:
Durch die Windenergie-Branche werden kaum neue Jobs geschaffen.

Laut einer Studie entstehen durch die Erneuerbaren Energien kaum neue Jobs. Das will Wirtschaftsminister Meyer ändern.

shz.de von
05. Januar 2015, 06:30 Uhr

Kiel | Die Erneuerbaren Energien bringen Schleswig-Holsteins Wirtschaft weniger in Fahrt als angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Regionalforschung der Kieler Universität. In Auftrag gegeben hat sie die Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein, Nachfolgerin der einstigen Technologiestiftung des Landes.

Erreicht die Landesregierung ihr Ziel, bis 2020 die Windkraftleistung zu verdreifachen, entsteht laut Studie in der Spitze eine jährliche Wertschöpfung von 835 Millionen Euro. Dieses Maximum gelte allerdings nur für 2020 selbst. Das entspreche etwa einem Prozent des schleswig-holsteinischen Bruttoinlandsprodukts, erklärt Studienautor Johannes Bröcker. Die Zahl der mit dem Ausbau verbundenen Arbeitsplätze beziffert der Wirtschaftswissenschaftler in der Investitionsphase auf 7700. Das sind 0,6 Prozent aller Jobs. Dauerhaft bleiben Bröcker zufolge nach 2020 nur 3600 Arbeitsplätze – gespeist aus Betrieb und Unterhalt der Anlagen. Alles in allem gleiche demnach der Effekt lediglich dem eines großen Industrie-Ansiedlungsprojektes.

Grund für dieses Defizit ist die geringe Fertigungstiefe Schleswig-Holsteins bei Windmühlen. Das Land sei zwar gut darin, Rotoren aufzustellen, nicht aber darin, sie zu produzieren. Von den 4,7 Millionen Euro, die eine 3,2-Megawatt-Anlage kostet, werden nur 28 Prozent im Land ausgegeben. Das Geld fließt vor allem in die Planung, das Fundament, die Erschließung des Standorts und die Montage. Die Untersuchung berücksichtigt bei der Wertschöpfung nicht nur originäre Firmen aus der Windbranche, sondern zum Beispiel auch Tiefbauer und Banken sowie Steuereinnahmen.

Nicht berücksichtigt würden in dem Papier indes die Offshore-Windparks, relativiert Wirtschaftsminister Reinhard Meyer die Aussagen der Studie. „Immerhin sehen wir, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien zu zusätzlichen Effekten führt“, kommentiert der SPD-Politiker die Studie. Bereits jetzt arbeiteten landesweit 15.800 Erwerbstätige in dem Sektor. Gleichwohl will sich Meyer 2015 „sehr intensiv mit Handlungsansätzen beschäftigen, wie wir mehr Wertschöpfung aus den Erneuerbaren Energien nach Schleswig-Holstein holen können“.

Dazu zählen eine Fachkräfte-Initiative für die Branche sowie eine Stärkung der anwendungsbezogenen Forschung. Zudem müsse die große Menge kostengünstiger Öko-Energie im Norden besser als Standortfaktor angepriesen werden. Darauf setzt auch Nicole Knudsen, Regionalsprecherin des Bundesverbands Windenergie. Sie wünscht sich eine Ansiedlungs-Strategie für energieintensive Betriebe wie Gewächshäuser oder Rechenzentren. In Niedersachsen etwa sei es besser gelungen, Windenergie in Beschäftigung umzusetzen, sagte Knudsen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen