Besuch in Sachsen : Joachim Gauck in Sebnitz als „Volksverräter“ beschimpft

Bundespräsident Joachim Gauck musste von der Polizei beschützt werden.

Bundespräsident Joachim Gauck musste von der Polizei beschützt werden.

Anlässlich des 116. Deutschen Wandertages war der Bundespräsident in Sebnitz. Dort wurde er massiv beleidigt.

shz.de von
26. Juni 2016, 16:23 Uhr

Sebnitz | Eine aggressive Menschenmenge hat Bundespräsident Joachim Gauck bei einem Besuch im ostsächsischen Sebnitz heftig beschimpft. Das Staatsoberhaupt wurde am Sonntag mit aggressiven Sprechchören wie „Hau ab“ und „Volksverräter“ in der Stadt empfangen.

Einige Demonstranten zeigten den Mittelfinger oder trugen Fahnen mit der Aufschrift „Das Pack grüßt Gauck“. Der Bundespräsident hatte Sebnitz wegen des 116. Deutschen Wandertages besucht. Augenzeugenberichten zufolge soll es zwischen den Anhängern und Gegnern von Gauck zu tumultartigen Szenen gekommen sein.

„Nicht mein Präsident“ steht auf dem T-Shirt eines Demonstranten.
dpa

„Nicht mein Präsident“ steht auf dem T-Shirt eines Demonstranten.

Bereits im März war Gauck bei einem Besuch im sächsischen Bautzen beschimpft und beleidigt worden. Damals hatte er mit Bürgern über die Flüchtlingskrise diskutiert. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) haben bereits in Sachsen ähnliche Fälle von aggressiver Stimmung erlebt.

Aus einer Menge heraus wurde Gauck beschimpft.
dpa
Aus einer Menge heraus wurde Gauck beschimpft.
 

In der Sächsischen Schweiz hatten laut Polizei am Sonntag etwa 30 Menschen den Präsidenten „verbal attackiert“. Eine Person sei in Gewahrsam genommen worden und habe Widerstand geleistet. Bei den Tumulten wurde nach Polizeiangaben Reizgas eingesetzt. Ein Passant musste behandelt werden. 250 Menschen hätten auf dem Wanderfest friedlich gefeiert.

Gauck versuchte, sich bei seinem Besuch nicht von der aggressiven Stimmung beirren zu lassen. Mit dabei waren auch Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) und Gaucks Lebensgefährtin Daniela Schadt. Eine Sprecherin Gaucks bestätigte, dass es sehr heftige verbale Angriffe auf den Präsidenten gegeben habe. „Das war nicht schön.“ Es habe aber auch Beifall gegeben. Gauck habe es zur Kenntnis genommen und freundlichen Menschen die Hand gereicht.

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