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Kommentar zu Trumps Kabinettssitzung : Jetzt fehlen eigentlich nur noch Monumente und Paraden

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Trump begibt sich auf das Niveau kommunistischer Führer, absolutistischer Monarchen und Autokraten, meint Thomas Spang.

shz.de von
erstellt am 13.Jun.2017 | 17:28 Uhr

Washington | Normal ist das nicht, was Donald Trump im Weißen Haus aufführte. Wie am Hofe nahm der Präsident vor laufenden Kameras Huldigungen seines Kabinetts entgegen. „Ein Segen“ sei es, dem Präsidenten dienen zu dürfen, überschlug sich Stabschef Reince Priebus. Während andere Trump der Liebe des Volkes versicherten und ihm dankten, in diesen großen Zeiten dabei sein zu dürfen.

Donald Trump benötigt dringend die Geschlossenheit in seiner Fraktion. Der Präsident hat eine Klage wegen Korruption am Hals, die ihm das Amt kosten könnte. Mit Spannung erwartet werden die Aussagen seines Justizministers in der Russland-Affäre an diesem Dienstag vor dem US-Senat. Es geht um verschwiegene Treffen Jeff Sessions mit dem russischen Botschafter Sergej Kislyak vor der Amtseinführung Trumps sowie seine Rolle beim Rauswurf von FBI-Chef James Comey.

Dass der Narzisst sich gerne im Glanz seiner Selbstherrlichkeit sonnt, muss nicht überraschen. Die güldenen Letter seines Namens prangen seit Jahrzehnten auf Hotels und Wolkenkratzern. Erschreckend ist, wie willenlos sich gestandene Männer und Frauen ihm vor die Füße werfen. Statt sich dem peinlichen Personenkult zu verweigern, profiliert sich das Team des Präsidenten als Trupp rückgratloser Claqueure.

Indem sich Trump vor den Augen der Welt zur Lachnummer macht, beschädigt er das Amt des amerikanischen Präsidenten weiter als schon bisher. Erst banalisierte der „Twitter-in Chief“ die Autorität, mit der das Weiße Haus unter seinen Vorgängern sprach. Statt seriösen Informationen liefert Trump täglich neuen Stoff für eine politische Seifenoper. Dann verwandelte er das Weiße Haus schamlos zu einem Selbstbedienungsladen für seinen Clan. Wie in einer Bananen-Republik vermengt Trump privates Geschäft und öffentliches Amt. Schließlich etablierte er den offensiven Gebrauch von Lügen als Instrument der Politik. Das einstmals gewichtige Wort eines Präsidenten ist unter Trump nicht mehr viel Wert.

Auch für den nun eingeforderten Personenkult gibt es kein Vorbild in der amerikanischen Geschichte. Trump begibt sich damit auf das Niveau kommunistischer Führer, absolutistischer Monarchen und Autokraten, die ihre Großtaten auf Bestellung feiern lassen.

Dass so etwas in den USA im Juni 2017 live über die Mattscheiben flimmert, zeigt wohin sich dieser Präsident schon verirrt hat. Jetzt fehlen eigentlich nur noch Monumente und Paraden. Man müsste laut lachen, wenn es nicht so traurig wäre. 

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