Vereitelter Anschlag in Oberursel : Jedermann-Radrennen trotz Terrorangst

Die Ermittlungen in Oberursel laufen auf Hochtouren. Das LKA in Hessen hält einen Anschlag immer noch für möglich.

shz.de von
01. Mai 2015, 12:03 Uhr

Oberursel | Nach der Festnahme eines verdächtigen Islamisten-Paares sieht das hessische Landeskriminalamt die Gefahr eines Anschlags noch nicht gebannt. „Wir müssen wissen, ob es Mittäter gibt, die noch agieren oder schon agiert haben“, sagte ein LKA-Sprecher am Freitag in Wiesbaden. Das geplante traditionsreiche Radrennen „Rund um den Finanzplatz Frankfurt-Eschborn“ war am Donnerstag aus Sicherheitsgründen abgesagt worden, weil die Ermittler nicht ausschließen können, dass es weitere Beteiligte gab.

Am Donnerstagmorgen gegen 4 Uhr hatten Beamte die Wohnung eines türkischstämmigen Ehepaars in Oberursel durchsucht. Im Keller stellten sie eine funktionsfähige Rohrbombe, Waffenteile und Munition sicher. Der 35-jährige Mann sei in den vergangenen Tagen auf Parkplätzen und im Wald entlang der Radrennstrecke von Oberursel auf den Feldberg beobachtet worden, hieß es. 

Gegen das Paar Wurzeln hat, hatte ein Richter am Donnerstagabend Haftbefehl erlassen. Sie werden der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat verdächtigt. Die Behörden vermuten, dass das Paar einen Terroranschlag plante und möglicherweise das Radrennen im Visier hatte. Die Präsidentin des hessischen Landeskriminalamts, Sabine Thurau, erklärte, dass bei dem Ehepaar Material sichergestellt wurde, das geeignet sei, eine Vielzahl von Menschen zu töten oder zumindest schwer zu verletzen.

Die Ermittler gehen davon aus, dass das Paar Verbindungen zur islamistischen Szene hatte. „Es gibt nichts, was diesen Verdacht abschwächen oder widerlegen könnte“, sagte der Sprecher.

Trotz der Absage des Radklassikers gingen zahlreiche Hobbyfahrer am Freitag auf die Strecke. Veranstaltungschef Bernd Moos-Achenbach gab um kurz nach 9 Uhr in Eschborn den Startschuss für das Jedermann-Rennen, bei dem die Teilnehmer auch ein Zeichen gegen Gewalt und Terror setzen wollen.

Trotz der erstmaligen Absage sieht Veranstalter Bernd Moos-Achenbach den Frankfurter Radklassiker nicht in seiner Existenz bedroht. „Wir freuen uns auf 2016. Wir werden am 1. Mai nächsten Jahres wieder unser Rennen machen“, sagte Moos-Achenbach am Freitag auf einer Pressekonferenz.

Die Absage des Traditionsrennens bezeichnete er als „absolut richtig“. Man dürfe sich jedoch „nicht terrorisieren lassen“. Zugleich hob er die große Solidarität hervor. Sponsoren und Teams hätten bereits signalisiert, dass sie weiter zu der Veranstaltung stehen. „Das ist ein großes Zeichen für den Radsport und das Rennen“, erklärte der 62-Jährige.

Frankfurts Sport- und Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) sagte die weitere Unterstützung der Stadt zu. „Es ist niederträchtig, wenn der Sport angegriffen wird. Man muss auf allen Ebenen wachsam sein. Aber wir lassen uns nicht von kranken Menschen einschränken. Es geht weiter“, betonte er. Auswirkungen auf den Triathlon-Ironman Anfang Juli und den Marathon Ende Oktober in der Mainmetropole befürchtet Frank nicht: „Wir haben mehr Zeit, die Veranstaltungen vorzubereiten. Ich warne vor Hysterie. Wir sind ein freiheitliches Land.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen