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Politik

14. Dezember 2017 | 06:11 Uhr

Jeder Pfarrer ist ein Segen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Warum die Kirchen über Pastorenschwund im Norden klagen

shz.de von
erstellt am 02.Feb.2014 | 16:35 Uhr

Angehende Geistliche sind in Norddeutschland gefragt: Wer jetzt mit einem Theologiestudium beginnt, dürfte gute Chancen haben, in einigen Jahren einen Beruf ergreifen zu können, der ihn am Ende bis zur Rente trägt. Das ist die gute Nachricht, die sich hinter den Statistiken über den bevorstehenden Pfarrermangel verbirgt.

Natürlich, nicht jeder ist für den Dienst als Seelsorger geeignet. Persönliche Glaubensüberzeugungen und die Freude am Umgang mit Menschen dürften wohl die wichtigsten Voraussetzungen für diesen Beruf sein. Mit Schrecken erinnert sich manches Kirchenmitglied noch heute an die Zeit der 70er und 80er Jahre, als an den Universitäten Theologen ausgebildet wurden, die am Ende wohl besser Politologie oder Soziologie studiert hätten. Leer gepredigte Kirchen waren all zu oft die Folge, wenn Menschen die Kanzel am Altarraum mit dem Rednerpult von CDU, Grünen oder SPD verwechselten. Und in mancher Kirchengemeinde sieht man das bis heute. Dennoch ist beiden großen Kirchen sehr zu wünschen, dass sie ihre mittelfristigen Personalprobleme in den Griff bekommen. Denn oft genug ist die Kirche die letzte Institution, die noch in einem Dorf vertreten ist, für den Zusammenhalt der Menschen vor Ort sorgt und sich um Alte und Alleinstehende kümmert.

Sollte es in wenigen Jahren tatsächlich deutlich weniger Theologen geben, wird sich das möglicherweise ändern müssen. Ehrenamtliche, die Gottesdienste und Gemeindegruppen leiten, sind schon heute ein wichtiger Bestandteil des kirchlichen Lebens. Aber alles können sie nicht übernehmen. Ohne ein gewisses Maß an Hauptamtlichen, die Dienste organisieren und Verantwortung übernehmen, geht es in der Kirche auch nicht. Schon heute werden aus finanziellen Gründen Gemeinden zusammengelegt und gelegentlich sogar Kirchen profanisiert. Es ist denkbar, dass dieser Trend zunehmen könnte, wenn es irgendwann nicht mehr gelingt, Pfarrstellen zu besetzen. Weswegen jeder junge Pfarrer auch ein Segen für das Land ist.

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