Migration : Jeder fünfte Deutsche hat ausländische Wurzeln

Schleswig-Holstein liegt unter dem Bundesschnitt / Mehr Geld für Integrationskurse gefordert

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04. Juni 2014, 14:46 Uhr

Menschen mit ausländischen Wurzeln haben in Deutschland nach Expertenansicht noch immer Bildungsnachteile. Kinder und Enkel von Einwanderern spürten die Folgen verpasster Integrationspolitik bis heute, heißt es in einer Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. Mädchen und Jungen ausländischer Herkunft müssten in Kitas und Schulen besser gefördert werden. Auch Diakonie und Grüne fordern mehr Unterstützung bei der Integration von Migranten.

Das Institut legte mit der Studie zum zweiten Mal nach 2009 eine Analyse zur Integration vor. Das Ergebnis fällt gemischt aus. Demnach hat sich zwar das Bildungsniveau der Zuwanderer im Schnitt verbessert. Defizite bei den Zuwandererkindern blieben aber bestehen, vor allem in der türkischen Gemeinschaft. Das höhere Bildungsniveau ist laut Untersuchung vor allem den Neuzugewanderten aus Süd- und Osteuropa zuzuschreiben. Sie kämen in der Regel gut ausgebildet zur Jobsuche nach Deutschland und füllten die durch Fachkräftemangel entstandene Lücken.

Der innenpolitische Sprecher der Grünen, Volker Beck, sprach sich für eine „kohärente Integrationspolitik“ aus. „Deutschland kann es sich nicht leisten, die Potenziale eines Teils der jungen Migranten unbeachtet zu lassen“, erklärte er. Probleme bei der beruflichen Eingliederung müssten dringend beseitigt werden.

Kritik an der derzeitigen Integrationspolitik kam auch von der Diakonie. Der evangelische Wohlfahrtsverband forderte mehr finanzielle Mittel für die Integration von Flüchtlingen und Eingewanderten. „Dass sich so viele Menschen für Deutschland entschieden haben, ist ein Zeichen der Attraktivität Deutschlands in Europa“, sagte Diakonie-Vorstandsmitglied Maria Loheide. Allerdings reichten die Mittel vor allem für Projekte oder auch die Beratung von Migranten nicht aus. Im Haushaltsplan der Bundesregierung für 2014 sind 204 Millionen Euro für Integrationskurse eingeplant.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hat fast jeder fünfte Einwohner Deutschlands ausländische Wurzeln. Im Mai 2011 lebten rund 15,3 Millionen Personen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Das entsprach einem Anteil von 19,2 Prozent der Bevölkerung. Mehr als die Hälfte (60,2 Prozent) der Einwohner mit Migrationshintergrund hat einen deutschen Pass. 39,8 Prozent von ihnen sind Ausländer. Menschen mit ausländischen Wurzeln leben nach Angaben der Statistiker fast ausschließlich (96,7 Prozent) in den westlichen Bundesländern und Berlin.

Schleswig-Holstein liegt dabei mit zwölf Prozent unter dem Bundesschnitt. Rund ein Drittel von ihnen hatte einen ausländischen Pass. Mit 18,9 Prozent weist Kiel den höchsten Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund auf, gefolgt von Neumünster (16,9 Prozent), Lübeck (16,8) und Flensburg (16). Bei den Kreisen liegt Pinneberg mit 15 Prozent an der Spitze, Schlusslicht ist der Kreis Plön mit 6,9 Prozent.

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