zur Navigation springen

Flüchtlingskrise in Europa : Italien fordert Albanien zur Grenzschließung auf - Ai Weiwei in Idomeni

vom

Die Balkanroute für Flüchtlinge ist dicht. Jetzt sollen auch andere Länder, über die Wege nach Mitteleuropa führen, ihre Grenzen abriegeln.

shz.de von
erstellt am 10.Mär.2016 | 12:13 Uhr

Brüssel | Nach der Schließung der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland wollen EU-Staaten Flüchtlinge daran hindern, auf andere Routen auszuweichen. Der italienische Innenminister Angelino Alfano kündigte am Donnerstag an, mit Albanien entsprechende Gespräche führen zu wollen. Es gehe darum, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um illegale Migration zu verhindern, erklärte er am Rande eines EU-Innenministertreffens in Brüssel. Ein Bild von der Situation der Flüchtlinge im Zeltlager in Idomeni hat sich jetzt der chinesische Künstler Ai Weiwei gemacht.

Europa schottet sich ab. Um den Flüchtlingsstrom zu bremsen, haben die Länder entlang der Balkan-Route ihre Grenzen bereits geschlossen. Nun sollen auch angrenzende Staaten dicht machen. Der Weg Richtung Mitteleuropa soll so gänzlich versperrt werden.

Albanien grenzt an den Nordwesten von Griechenland und gilt deswegen als alternatives Transitland. Von dort aus könnten Flüchtlinge versuchen, mit Schiffen über die Adria nach Italien zu gelangen. Zusätzlich bietet Albanien die Möglichkeit, auf dem Landweg in Richtung Norden weiterzureisen.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière wies darauf hin, dass Flüchtlinge auch wieder verstärkt versuchen könnten, von Libyen aus über das Mittelmeer nach Italien zu kommen. „Es gibt die Sorge, dass es andere Routen gibt“, sagte der CDU-Politiker. Man sei deswegen mit den Italienern im Gespräch, um frühzeitig eine ähnliche Entwicklung wie auf der Balkanroute zu vermeiden. Seitdem Slowenien, Kroatien, Serbien und Mazedonien nur noch Menschen mit gültigen Pässen und Visa passieren lassen, ist die Balkanroute von Griechenland in Richtung Westeuropa für Flüchtlinge faktisch geschlossen.

Unterdessen hatte die griechische Regierung Athen eine Zwangsräumung des Flüchtlingslagers am griechisch-mazedonischen Grenzübergang bei Idomeni abgelehnt. Dort herrscht das Chaos. Das Aufnahmelager versinkt im Wasser und Schlamm. Unter den Tausenden Flüchtlingen grassieren Krankheiten. Athen will aber keine Polizisten einsetzen, um das Lager zu räumen. 

 

„Es darf einerseits kein (ständiges) Lager in Idomeni geben. Andererseits darf es keine Evakuierung unter Einsatz der Bereitschaftspolizei geben“, sagte der für die Küstenwache zuständige Minister, Thodoris Dritsas, am Donnerstag in Athen in einem Briefing des Krisenstabs zur Flüchtlingskrise.

Die Migranten in Idomeni müssen nach den Worten Dritsas „überzeugt werden“, freiwillig das Camp zu verlassen und in andere Lager zu gehen. „Wir können es nicht per Dekret verbieten, dass sie sich in Idomeni versammeln“, fügte er hinzu. „Was wir machen können, ist, ihren Transport zu Aufnahmelagern zu organisieren, die in ganz Griechenland verstreut sind“, sagte Dritsas weiter.

Um auf das Elend der Menschen vor Ort aufmerksam zu machen, besuchte der chinesische Künstler und Menschenrechtsaktivist Ai Weiwei am Donnerstag die Zeltstadt. „Es ist unglaublich, wenn man sagt, dies sei die Mitte Europas“, stellte er entsetzt fest.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen