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Nach Sperrung der Enzyklopädie in der Türkei : Istanbul: Wikipedia-Gründer Jimmy Wales von Veranstaltung ausgeladen

vom

Wales sollte als Experte an der Veranstaltung „Weltstädte Expo Istanbul 2017“ teilnehmen. Doch jetzt darf er nicht mehr.

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2017 | 13:52 Uhr

Istanbul | Nach der Sperrung des Online-Lexikons Wikipedia in der Türkei hat die Istanbuler Stadtverwaltung den Gründer des Portals, Jimmy Wales, von einer Expo-Veranstaltung ausgeladen. Wales sei von der Einladungsliste gestrichen worden, teilte die Stadtverwaltung am Dienstag auf ihrer Website ohne Angaben von Gründen mit. An der Veranstaltung vom 15. bis 18. Mai mit dem Titel „Weltstädte Expo Istanbul 2017“ nehmen mehr als 50 Experten aus aller Welt teil.

Deutsche und englische Artikel des Online-Lexikons über die Türkei und Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan setzen sich unter anderem kritisch mit den Anti-Terror-Gesetzen, dem Druck auf Regierungsgegner und Presse und der Verfassungsreform auseinander, die Erdogan mehr Macht verleiht. Wikipedia war am Samstag gesperrt worden und ist seitdem von der Türkei aus nicht mehr erreichbar.

Grund für die Sperrung von Wikipedia ist nach Angaben der türkischen Telekommunikationsbehörde der Vorwurf, das Land unterstütze Terrororganisationen. „Trotz aller Bemühungen wurde der Inhalt, der fälschlicherweise behauptet, die Türkei unterstütze Terrororganisationen, nicht gelöscht“, teilte die Behörde mit. Da es nicht möglich sei, nur bestimmte Inhalte auf Wikipedia zu blockieren, sei die gesamte Plattform gesperrt worden.

Der Abgeordnete der größten Oppositionspartei CHP, Baris Yarkadas, nannte die Sperrung „willkürlich“ und forderte eine sofortige Aufhebung. Wikipedia-Gründer Wales hatte am Samstag auf Twitter geschrieben: „Der Zugang zu Informationen ist ein fundamentales Menschenrecht“. Er sicherte den Türken seine Unterstützung zu.

Wales sucht derzeit nach Unterstützern für ein neues Nachrichtenportal, das den Kampf mit gefälschten Inhalten im Netz aufnehmen will. Wie das Branchenportal „Meedia“ berichtet, sollen nach dem Wikipedia-Prinzip die Nachrichten von einer Community aus Mitarbeitern und Freiwilligen auf Fakten geprüft werden. „WikiTribune“ soll wie Wikipedia ohne Anzeigen auskommen und sich über Spenden finanzieren. Das Nachrichten-Geschäft sei zerstört, aber man könne es reparieren, sagt Wales.

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