Exklusiv-Interview mit George Hawley : Ist Donald Trump der Präsident der „Alternativen Rechten“?

George Hawley hat kürzlich sein Buch „Making Sense of the Alt-Right“ veröffentlicht.
George Hawley hat kürzlich sein Buch „Making Sense of the Alt-Right“ veröffentlicht.

George Hawley, Professor an der Alabama State University in Tuscaloosa, über „Trumpismus“ und die „Alt Right“-Bewegung.

shz.de von
14. Januar 2018, 11:30 Uhr

Der Politologe George Hawley beschäftigt sich an der „University of Alabama“ in Tuscaloosa mit der extremen Rechten in den USA. Sein bei Columbia Press erschienenes Buch „Making Sense of the Alt-Right“ zeichnet die Geschichte einer schwammigen Begrifflichkeit nach. Er hat viele der Personen, die heute in der „Alt-Right“ den Ton angeben, getroffen. In dem Interview mit unserem Korrespondenten Thomas J. Spang versucht er eine Abgrenzung zum „Trumpismus“.

Einer der Schlüsselmomente des ersten Amtsjahres Donald Trumps war die verständnisvolle Reaktion des US-Präsidenten auf den Fackelmarsch weißer Nationalisten in Charlottesville. Deren Führer, Richard Spencer, feierte den Wahlsieg des Rechtspopulisen mit einem „Heil Trump“. Ist Trump der Präsident der „Alternativen Rechten“?

Ich halte Trump und seine überwiegend populistische Bewegung für etwas anderes. Die Alternative Rechte ist in ihrem Kern ausschließlich durch weißen Nationalismus motiviert. Richard B. Spencer und seine Anhänger interessieren sich zum Beispiel nicht so sehr für Religion. Deshalb ist Islamophobie dort kein großes Thema.

Aber in Charlottesville hat sich Trump die Anliegen der „Alt-Right“-Bewegung zu Eigen gemacht. Er behauptete, es gebe auf beiden Seiten des Streits um die Konföderierten-Denkmäler „gute Leute“...

Die Alternative Rechte hat früher nie sonderliches Interesse an den Denkmälern gezeigt. In Charlottesville war ein gutes Stück Opportunismus mit im Spiel. Weil das Thema bei den Südstaatlern ankommt, sahen sie eine Gelegenheit, sich als Bewegung dort anzuhängen. Trump hat das nicht verstanden. Seine Sprache war verblüffend.

Warum war der Präsident der Vereinigten Staaten nicht besser informiert über diese Bewegung bevor er sich mit seinen Bemerkungen dort anbiederte? 

Viele Dinge, die Trump sagt, sind wirklich ganz ärmlich formuliert. Dennoch glaube ich nicht, dass er sich mit den Hakenkreuzflaggen identifiziert. Sicher wünschen sich die meisten Leute mehr Distanz, aber zu sagen, dass er diese Bewegung stark machen will, halte ich doch für eine Übertreibung. 

Dieses begriffliche Durcheinander hatte zu einem guten Teil auch Steve Bannon verursacht, der seine Agitprop-Seite Breitbart einmal als Plattform der „Alt-Right“ bezeichnete.

Bannon gebrauchte den Begriff während des Wahlkampfs, als viele Leute ihn aufgegriffen, ohne zu verstehen, worum es Spencer und Co wirklich geht. Bannon benutzte „Alt-Right“ mehr als Abgrenzung des Trumpismus von der traditionellen konservativen Bewegung.

Was zeichnet denn dann den „Trumpismus“ aus? 

Er versteht sich in erster Linie als wirtschaftlicher Nationalismus, der die Grenzen zu Rassismus und Ethno-Zentrismus gelegentlich überschreitet, aber nie explizit solche Position vertritt.

Wie grenzen Sie die Bewegung um Spencer von Trump ab?

Die Alternativen Rechten wollen das Ende der USA, wie sie im Moment existieren. Sie sollen ersetzt werden durch zwei oder drei verschiedene ethnische Staaten, in denen dann nur weiße Menschen leben. Ich kann gar nicht genug betonen, wie radikal diese Ideen sind. Das geht weit darüber hinaus, eine Grenzmauer zu bauen oder Muslime an der Einreise zu hindern.

Das heißt es geht um „ethnische Säuberungen“?

Ja, und sie haben tatsächlich diesen Begriff gebraucht. Der „Alt-Right“-Bewegung ist die Flagge egal und die Verfassung oder all die anderen Sachen, die für amerikanischen Patriotismus stehen. Sie interessiert sich nicht für diese sozialen Themen, die Trumpern am Herzen liegen: Abtreibung und die zehn Gebote. Ihnen geht es allein um Rasse. Da gibt es eine Schnittmenge mit anderen europäischen Rechts-Extremisten.

Und mit Trump?

Ja, aber wir müssen aufpassen, den Begriff des Rassismus nicht zu verwässern. Allerdings denke ich schon, dass die Attraktivität Trumps bei seinen Anhängern auch etwas mit Rassismus zu tun hat.

Ist seine Präsidentschaft gut für die Agenda der extremen Rechten?

Trump hat nicht sehr von der Alternativen Rechten bei den Wahlen profitiert, aber er hat den Rechten geholfen. Er hat Dinge gesagt, die früher einmal Tabu waren. Und er hat es akzeptabel gemacht, bestimmte Dinge in der amerikanischen Politik offen auszusprechen.

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