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Israels Albtraum wird wahr: Wieder Soldat verschleppt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Entführung im Gazastreifen – Statt Waffenruhe neue Eskalation

shz.de von
erstellt am 01.Aug.2014 | 17:20 Uhr

Die palästinensischen Angreifer tauchen aus einem „Terror-Tunnel“ auf. Israelische Soldaten wollen den unterirdischen Gang im Gazastreifen gerade zerstören. Dann überschlagen sich die Ereignisse: Ein Selbstmordattentäter sprengt sich nach israelischen Angaben in der Nähe der Truppen in die Luft. Zwei Soldaten werden getötet. In der allgemeinen Verwirrung verschleppen die militanten Palästinenser den 23-jährigen Offizier Hadar Goldin, der auch britischer Staatsbürger sein soll. Die tagelang mühevoll von UN und USA ausgehandelte Feuerpause in dem Palästinensergebiet, die der leidenden Bevölkerung ein Atempause verschaffen sollte, ist hinfällig.

Israels Armee bombardiert danach in aller Härte die nahe gelegene Palästinenserstadt Rafah, die Rettungskräfte berichteten von Dutzenden Toten. „Wenn wir den Soldaten nicht binnen weniger Stunden zurückbekommen, werden wir Gaza plattmachen“, sagte Danny Danon von der regierenden Likud-Partei. Er hatte allerdings unmittelbar vor der Bodenoffensive wegen radikaler Äußerungen das Amt des Vize-Verteidigungsministers verloren. Dennoch spiegeln seine Worte die Stimmung von Wut und Verzweiflung in Israel wider.

Mit der ersten Entführung eines Soldaten durch militante Palästinenser seit 2006 ist für den jüdischen Staat ein Albtraum wahr geworden. Die Armeeführung hatte den Soldaten immer wieder eingebläut, alles zu unternehmen, um eine Gefangennahme zu verhindern. Die Entführung des Soldaten Gilad Schalit ist für Israel eine Art kollektives Trauma. Mehr als fünf Jahre war er in der Gewalt der Hamas. Nach jahrelangen Verhandlungen kam der junge Mann 2011 frei. Der Preis dafür war jedoch schmerzhaft hoch: Mehr als tausend palästinensische Häftlinge musste Israel im Tausch freilassen.

Kurz nach dem Tauschhandel schrieb ein Kommentator: „Nach der Entführung von Schalit sehen einige Offiziere einen toten Soldaten als besser an als einen entführten.“ Das Militär habe nach dem Vorfall das umstrittene „Hannibal-Protokoll“ wieder eingeführt. Kommandeure sollen bei einer befürchteten Entführung alles tun, um sie zu vereiteln, selbst wenn es das Leben des Soldaten in Gefahr bringt. Generalstabschef Benny Ganz betonte, das Protokoll erlaube es nicht, einen Soldaten gezielt zu töten, um seine Verschleppung zu verhindern. Ein Kommandeur erklärte dazu, er habe seine Soldaten angewiesen, bei einem Entführungsversuch auf Terroristen zu schießen, selbst wenn sie dabei ihren Kameraden treffen könnten. „Die Botschaft ist, dass kein Soldat in Gefangenschaft geraten darf, und es ist eine eindeutige Botschaft.“

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