Nahostkonflikt : Israel verstärkt Angriffe auf Gazastreifen

Von Waffenruhe keine Spur: Gaza erlebte eine der schwersten Bombennächte. Auch in Israel leben die Menschen in Angst.

Avatar_shz von
29. Juli 2014, 10:41 Uhr

Die israelische Armee hat ihre Angriffe im Gazastreifen deutlich verstärkt. In der Nacht zum Dienstag wurden nach Medienberichten rund 150 Ziele in dem Palästinensergebiet massiv bombardiert. Palästinensische Augenzeugen berichteten von Beschuss mit Artillerie, von Kriegsschiffen und aus der Luft. Sie sprachen von den bisher schwersten Angriffen seit Beginn der israelischen Offensive vor drei Wochen und einer Nacht „voller Horror, Angst und Panik“.

In der israelischen Mittelmeermetropole Tel Aviv heulten zum ersten Mal mitten in der Nacht die Alarmsirenen und rissen die Einwohner aus dem Schlaf. Zwei Raketen seien nahe Rischon Lezion südöstlich von Tel Aviv eingeschlagen, teilte die Armee mit. Am Dienstag sollte eine hochrangige palästinensische Delegation in Ägypten über eine Waffenruhe zwischen Israel und den militanten Palästinensern beraten.

Bei israelischen Angriffen im Gazastreifen sind seit dem 8. Juli mehr als 1100 Menschen getötet und mehr als 6500 verletzt worden. Die meisten der Opfer seien Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, teilten die Rettungskräfte mit. Nach Angaben des israelischen Militärs vom frühen Dienstagmorgen starben bisher 53 israelische Soldaten. Drei Zivilisten kamen bei Angriffen militanter Palästinenser ums Leben.

Ungeachtet aller internationalen Appelle für eine Waffenruhe hatte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu eine Fortsetzung der Militäroffensive gegen die Hamas im Gazastreifen angekündigt. „Wir werden den Einsatz nicht beenden, bevor wir die Tunnel (der Hamas) zerstört haben“, sagte er am Montag in einer Fernsehansprache.

Bei einem der folgenden Raketenangriffe auf Gaza wurde nach palästinensischen Angaben auch das Haus des Hamas-Spitzenpolitikers Ismail Hanija getroffen. Hanija wurde 2006 Ministerpräsident in dem von der Hamas beherrschten Gazastreifen. Weder Hanija noch seine Familie seien zu Hause gewesen, berichtete der Hamas-Fernsehsender Al-Aksa. Am frühen Morgen wurde auch das Gebäude des Senders bombardiert.

Im zentralen und südlichen Gazastreifen wurden am frühen Dienstag nach palästinensischen Angaben mindestens 16 Menschen getötet. 50 seien verletzt worden, berichteten Sanitäter und Augenzeugen. Die israelische Armee hatte die Einwohner in Teilen des Gazastreifens am Montagabend aufgefordert, ihre Häuser sofort zu räumen und sich in das Zentrum von Gaza zu begeben. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon warnte in diesem Zusammenhang, die in Gaza arbeitenden UN-Organisationen hätten nicht die Ressourcen einen zusätzlichen riesigen Zustrom verzweifelter Menschen zu bewältigen oder ihnen Hilfe zu gewähren.

Am Montag und in der Nacht zum Dienstag wurden bei Kämpfen insgesamt zehn Soldaten getötet, wie die Armee mitteilte. Fünf seien nahe Nachal Os bei einem Gefecht mit militanten Palästinensern ums Leben gekommen, die durch einen Tunnel auf israelisches Gebiet vordrangen. Dabei sei auch der Versuch einer Entführung vereitelt worden, meldete der israelische Rundfunk. Vier weitere Soldaten wurden bei einem Mörsergranatenangriff getötet. Ein anderer starb, als sein Bulldozer von einer Panzerabwehrrakete getroffen wurde.

Führende westliche Nationen forderten eine sofortige und bedingungslose Waffenruhe. Zugleich äußerten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel, US-Präsident Barack Obama, Frankreichs Staatschef François Hollande, der britische Premier David Cameron und der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi in einer Telefonkonferenz besorgt über das Risiko einer weiteren Eskalation. Auch der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hatte eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas gefordert.

Die USA reagierten unterdessen verstimmt auf israelische Kritik an den Bemühungen von US-Außenminister John Kerry, eine Waffenruhe im Gaza-Konflikt zu vermitteln. In Washington sprach Außenamtssprecherin Jen Psaki verärgert von einer bewussten Desinformationskampagne aus Israel. „Aus unserer Sicht ist das einfach nicht die Art, wie Partner und Verbündete miteinander umgehen“, sagte Psaki am Montag bei einer täglichen Pressekonferenz mit Journalisten.

Israelische Armee auf Twitter

Analyse des Instituts für Nationale Sicherheitsstudien in Tel Aviv

Palästinensische Rettungsbehörden bei Twitter, arabisch

UNWRA-Sprecher Chris Gunness bei Twitter

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen