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Terrorgruppe Abu-Sayyaf : IS-Terror auf den Philippinen: Duterte will Kriegsrecht „brutal“ durchsetzen

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Islamistische Rebellen verbreiten Angst im Süden der Philippinen. Präsident Duterte hofft auf Hilfe aus Russland.

shz.de von
erstellt am 24.Mai.2017 | 11:59 Uhr

Manila/Moskau | Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte will nach der Verhängung des Kriegsrechts im Süden des Landes mit äußerster Härte gegen islamistische Rebellen vorgehen. Wegen des Vorrückens von etwa 100 Bewaffneten in die Großstadt Marawi brach Duterte einen Russland-Besuch vorzeitig ab und kehrte am Mittwoch nach Manila zurück. Seinen Landsleuten versicherte der 72-Jährige: „Habt keine Angst, ich komme nach Hause.“ An die Adresse der Rebellen sagte er: „Ich werde brutal sein.“

Im Süden der mehrheitlich katholischen Philippinen kämpfen muslimische Separatisten bereits seit den 1960er Jahren für Autonomie. Abu Sayyaf finanziert sich auch mit der Erpressung von Lösegeld für entführte Ausländer. Abu-Sayyaf-Mitglieder hatten im Februar einen deutschen Segler enthauptet.

Duterte hatte am Dienstagabend für 60 Tage das Kriegsrecht über die südliche Region Mindanao verhängt. Damit reagierte er auf die Krise in Marawi, einer Stadt mit mehr als 200.000 Einwohnern, etwa 800 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Dort brannten Rebellen mehrere Häuser nieder, darunter eine Kirche und ein Gefängnis. Dann zogen sie mit schwarzen Fahnen der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) durch die Straßen. Nach Angaben von Verteidigungsminister Delfin Lorenzana handelt es sich um Mitglieder der Terrorgruppen Abu Sayyaf und Maute, die dem IS die Treue geschworen haben.

Mindestens drei Menschen wurden getötet. Angeblich brachten die Rebellen auch ein Krankenhaus unter ihre Kontrolle. Nach Angaben der katholischen Kirche brachten sie auch einen Priester und mehrere Zivilisten in ihrer Gewalt. Erzbischof Socrates Villages, der Vorsitzende der Bischofskonferenz, sagte: „Sie drohen damit, die Geiseln umzubringen, wenn die Regierungskräfte nicht zurückgerufen werden.“

Vor dem Heimflug bat Duterte Russland um moderne Waffen zum Kampf gegen die Islamisten. Die Philippinen seien dafür nicht gerüstet, sagte er nach Berichten russischer Agenturen bei einem Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin.

In der Region Mindanao leben etwa 20 Millionen Menschen. Die Verhängung des Kriegsrechts weckt Erinnerungen an den früheren philippinischen Diktator Ferdinand Marcos (1917-1989), der damit seine Macht gefestigt hatte.

Unterdessen bekam Duterte nach einem Bericht der „Washington Post“ (Dienstag) von US-Präsident Donald Trump ungewöhnliches Lob für seinen umstrittenen Anti-Drogen-Kampf. Das Blatt zitierte Trump nach dem Gesprächsprotokoll eines Telefonats, das die beiden Präsidenten Ende April geführt hatten, mit den Worten, Duterte mache einen „großartigen Job“.

Die Anti-Drogen-Politik des philippinischen Präsidenten ist international äußerst umstritten. Der frühere US-Präsident Barack Obama hatte ihn wegen des brutalen Vorgehens mehrfach ermahnt. Seit Dutertes Amtsantritt im Juni 2016 wurden nach amtlichen Angaben mehr als 2500 mutmaßliche Drogenkriminelle getötet. Menschenrechtler gehen sogar von mehr als 7000 Toten aus.

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