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Erneut Tote bei Luftangriffen im Jemen : Iran bestreitet Waffenlieferungen an Huthi-Rebellen

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Seit Tagen fliegt die Koalition unter Führung Saudi-Arabiens Luftangriffe auf die Huthi-Rebellen im Jemen. Der Iran wehrt sich gegen Vorwürfe, die Rebellen zu unterstützen.

Teheran/Sanaa | Der Iran hat Waffenlieferungen an die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen bestritten. „Solche Unterstellungen sind grundlos und können daher auch nicht die Angriffe auf den Jemen rechtfertigen“, sagte Außenamtssprecherin Marsieh Afcham am Dienstag.

Saudi-Arabien und seine arabischen sunnitischen Verbündeten fliegen seit vergangener Woche Luftangriffe auf Stellungen der Huthis. Die Aufständischen haben weite Teile des Jemens besetzt und Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi in die Flucht getrieben. Ein Sprecher der saudischen Koalition erklärte, die Angriffe würden so lange fortgesetzt, bis Hadi an die Macht zurückkehren könne. Hadi und indirekt auch Saudi-Arabien beschuldigen den Iran, die Huthi-Rebellen zu unterstützen und für das Chaos verantwortlich zu sein.

Die iranische Führung hat wegen des Eingreifens der arabischen Allianz in den Jemen-Konflikt vor schwerwiegenden Folgen für die gesamte Region gewarnt. Nach Angaben der iranischen Außenamtssprecherin gibt es zwischen dem Jemen und dem Iran nur einen Vertrag in der zivilen Luftfahrt sowie über medizinische Hilfe. Irans Roter Halbmond stehe jetzt auch für humanitäre Hilfeleistungen bereit.

Der Iran ist im Nahen Osten der größte Konkurrent des sunnitischen Königreichs Saudi-Arabien. Am Dienstag schickte der Iran ein Flugzeug mit Hilfsgütern in den Jemen, wie die iranische Nachrichtenagentur Fars berichtete. Der saudische Außenminister Saud al-Faisal sagte, sein Land sei kein Kriegstreiber. „Aber wenn die Kriegstrommeln geschlagen werden, dann sind wir bereit“, erklärte er.

Bei einem Luftangriff der von Saudi-Arabien geführten Koalition sind mindestens 35 Menschen getötet worden. Kampfjets hätten rund 140 Kilometer südlich der Hauptstadt Sanaa einen Kontrollpunkt der Huthis bombardiert, hieß es am Dienstag aus Sicherheitsquellen. 20 Opfer seien Kämpfer der Rebellen gewesen, weitere 15 Zivilisten. Dutzende Menschen wurden demnach bei dem Angriff in der Stadt Jarim verletzt.

Saudi-Arabien und seine arabischen Verbündeten flogen die sechste Nacht in Folge Angriffe auf die schiitischen Rebellen. Bombardiert worden seien Ziele in Sanaa und im Hafen der Stadt Al-Hudaida, meldete der von Saudi-Arabien finanzierte TV-Sender Al-Arabija. Ein hoher saudischer General sagte dem Kanal, es gehe bei den Luftangriffen darum, die Bewegungsfreiheit der Huthis zu blockieren. Zudem sollten die Häfen unter Kontrolle gebracht werden, um Waffenschmuggel zu verhindern. In den vergangenen Tagen seien bereits Raketenbasen und ein Waffenlager zerstört worden.

Die Huthi-Rebellen nahmen in den vergangenen Monaten große Teile Jemens ein, darunter die Hauptstadt Sanaa. Verbündet sind sie mit dem früheren Staatschef Ali Abdullah Saleh, der 2012 nach Massenprotesten zurückgetreten war. Ihm wird vorgeworfen, den Rebellen-Aufstand zu schüren. Auch der ebenfalls schiitische Iran soll die Huthis unterstützen. Der hat ein angespanntes Verhältnis zu Saudi-Arabien. Mit dem Militäreinsatz unterstützen Saudi-Arabien und seine Verbündeten den vertriebenen Präsidenten Hadi. Das saudische Königreich will einen größeren Einfluss Teherans auf die Region verhindern. Saudi-Arabien ist sehr stark sunnitisch geprägt.

Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte (UNHCR) prangerte die hohe Zahl ziviler Opfer bei den Kämpfen an. Seit dem 27. März seien mindestens 93 Zivilisten getötet und 364 verletzt worden, teilte das UNHCR in Genf mit. Privathäuser, Kliniken, Schulen und andere Infrastruktur seien zerstört worden; viele Menschen seien auf der Flucht. „Wir verurteilen alle Attacken auf Hospitäler und rufen alle Seiten auf, die Zivilisten zu schützen“, hieß es.

Am Montag waren bei einem Luftangriff auf ein Flüchtlingslager im Norden des Jemens mindestens 40 Menschen getötet worden. Lokale Medien berichteten, Flugzeuge des Bündnisses hätten das Lager bombardiert. Rund 200 Menschen wurden verletzt.

Huthis

Die Huthis sind ein schiitischer Volksstamm aus dem Nordjemen. Im vergangenen September eroberten rund 30.000 Anhänger die Hauptstadt Sanaa, Anfang des Jahres setzten sie dort Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi und die Regierung in deren Häusern fest. Binnen weniger Wochen brachten sie die Westküste und den Süden des Landes unter Kontrolle.

Jemens Präsident Hadi

Abed Rabbo Mansur Hadi gelang im Februar die Flucht aus Sanaa in die südjemenitische Stadt Aden, von wo aus er weiterzuregieren versuchte. Als die Huthis vorrückten, musste der von den USA und Saudi-Arabien unterstützte Staatschef auch seine dortige Residenz verlassen. Sein neuer Aufenthaltsort war zunächst unklar.

 

Saudi-Arabien

Das Land hat als reichster Golfstaat ein großes Interesse daran, den bettelarmen Jemen unter sunnitischer Kontrolle zu halten. Seit Ende März fliegt die Monarchie Luftangriffe gegen Huthi-Stellungen.

Iran

Der Iran versucht hingegen als Rivale Saudi-Arabiens, via Sanaa einen Fuß auf die Arabische Halbinsel zu bekommen. Das schiitische Land gilt als Verbündeter der Huthi-Rebellen und forderte einen Stopp der militärischen Angriffe Saudi-Arabiens.

Jemens Ex-Präsident Saleh

Ali Abdullah Saleh schlug einst Aufstände der Huthis nieder, heute gilt er als heimlicher Verbündeter der Rebellen. Die UN werfen ihm vor, das Chaos im Jemen geschürt zu haben und einen Weg zurück an die Macht zu suchen. Der Langzeitherrscher war nach Protesten gegen ihn Anfang 2012 zum Rücktritt gezwungen worden.

Jemens Ex-Staatschef Ali Abdullah Saleh
Jemens Ex-Staatschef Ali Abdullah Saleh. Foto:Imago/xinhua

 

Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel (AQAP)

AQAP ist der mächtigste Ableger des weltweit agierenden Terrornetzwerkes. Die sunnitischen Extremisten gelten als heimliche Gewinner im Machtpoker um den Jemen. Mit ihren Anschlägen gegen die schiitischen Huthis punkten sie vor allem bei ärmeren sunnitischen Stämmen.

 
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erstellt am 31.Mär.2015 | 14:40 Uhr

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