Rückeroberung von Ramadi : Irakische Armee: Offensive gegen IS erleidet erste Rückschläge

Mangelt es im irakischen Militär an Kampfeswillen? Die Flucht vor der IS-Terrormiliz aus Ramadi soll wieder wettgemacht werden.

shz.de von
27. Mai 2015, 14:08 Uhr

Bagdad | Das irakische Militär hat bei seinem Aufmarsch gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Westen von Bagdad einen Rückschlag erlitten. Nach schweren Gefechten setzten sich die sunnitischen Dschihadisten im Dorf Al-Karma östlich von Falludscha fest, bestätigten Militärkreise am Mittwoch in Bagdad. Die schiitisch dominierte Armee hatte am Vortag einen Einsatz begonnen, um die Provinzhauptstadt Ramadi zurückzuerobern. Auf dem Bürgermeisteramt von Al-Karma hätten die IS-Milizionäre ihre schwarze Flagge gehisst, teilten die Quellen in Bagdad weiter mit.

Die Sunniten-Hochburg Falludscha, 70 Kilometer westlich von Bagdad, wird schon seit längerem vom IS kontrolliert. Ramadi, die rund 110 Kilometer westlich von Bagdad gelegene Hauptstadt der Provinz Anbar, war am Wochenende durch die Extremisten eingenommen worden. Damit beherrschen sie die Provinz fast vollständig. Die Armee kontrolliert nur noch einige Orte und Militärstützpunkte. Al-Anbar war nach dem Sturz Saddam Husseins Zentrum des sunnitischen Widerstands gegen die US-Truppen. Iraks Regierung beschloss am Dienstag zugleich nach eigenen Angaben, neue Kräfte für die Rückeroberung Ramadis zu rekrutieren.


Zum Terraingewinn des IS am Mittwoch in Al-Karma trugen auch mehrere Selbstmordattentäter bei, wie der arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira berichtete. Sie sollen ihre mit Sprengstoff voll gepackten Fahrzeuge in einen riesigen Militärkonvoi gesteuert und sich in Luft gesprengt haben. Dabei sollen 55 irakische Soldaten getötet worden sein, sagte ein Al-Dschasira-Reporter in Bagdad unter Berufung auf einen Militärsprecher.

Angriffe mit Selbstmordattentätern in sprengstoffbeladenen Last- und Tankwagen gehören zum ebenso furchterregenden wie wirksamen taktischen Arsenal des IS. Auch die Eroberung Ramadis in der Vorwoche war mit derartigen Angriffen auf die vom irakischen Militär gesicherten Gebäude der Provinzregierung eingeleitet worden.

Am Mittwochvormittag hatte die Armee in Bagdad mitgeteilt, dass sie Nachschubwege des IS im Süden von Ramadi abgeschnitten habe. Dabei drängte sie die Dschihadisten aus den Ortschaften Al-Tasch und Al-Hamira zurück, bestätigte ein Sprecher des Polizeikommandos der Provinz Anbar.

Die Mobilisierung neuer Kräfte für die Gegenoffensive erfolgte knapp eine Woche nach dem Fall Ramadis. Kampfkraft und Zustand der irakischen Streitkräfte waren zuletzt Gegenstand heftiger Diskussionen. US-Verteidigungsminister Ashton Carter hatte dem irakischen Militär mangelnden Kampfeswillen bescheinigt.

In einer ersten Reaktion auf die Offensive zur Rückeroberung von Ramadi äußerte sich das weiße Haus zufrieden mit dem „klar erkennbaren Willen der irakischen Sicherheitskräfte zum Kampf“, wie Sprecher Josh Earnest sagte.

US-Präsident Barack Obama betonte die Notwendigkeit einer stärkeren internationalen Zusammenarbeit im Kampf gegen den IS. Bei einem Gespräch mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg betonte er dabei Kooperation mit der Nato, nannte aber auch ausdrücklich die Golfstaaten sowie die Afrikanische Union. Es komme darauf an, die Kräfte im Kampf gegen die Terrormiliz richtig aufzustellen, sagte Obama. Er ging aber nicht auf immer lauter werdende Forderungen der Republikaner ein, wonach Washington rund 10.000 Soldaten zum Kampf gegen die IS in den Irak schicken soll.

Deutschland und der Irak wollen jetzt per UN-Resolution gegen die Zerstörung von Kulturgütern durch den IS vorgehen. Am Donnerstag soll in der Vollversammlung der Vereinten Nationen eine Resolution verabschiedet werden, die „die barbarischen Akte der Zerstörung und Plünderung“ des kulturellen Erbes eines Landes verurteilt.

Ausdrücklich ist der Islamische Staat als Täter benannt. Weiter werden alle Staaten aufgefordert, gegen den Schmuggel von Kunst vorzugehen, um dem IS eine Finanzierungsmöglichkeit zu nehmen. Eine Mehrheit gilt als sicher, auch, weil sich schon etwa 80 Staaten dem Entwurf, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, angeschlossen haben.

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