Irak droht die Teilung

05climinski

shz.de von
15. Juni 2014, 17:55 Uhr

Bagdad werden die sunnitischen Gotteskrieger der ISIS nicht einnehmen. Bagdad ist mehrheitlich schiitisch, dort werden sie auf erbitterten Widerstand stoßen, wenn sie überhaupt so weit kommen. Denn südlich von Bagdad liegen die größten heiligen Stätten der Schiiten, Kerbala und Nadschaf, und für sie zu sterben ist Schiitenpflicht. Auch Kirkuk im Nordosten des Irak werden die Isis-Kommandos nicht erobern. Die Ölmetropole ist für die Kurden wichtig und ihre gut ausgerüstete und motivierte Armee (rund 300 000 Mann) dürfte keine Schwierigkeiten haben, die fanatischen Gotteskrieger abzuwehren oder, wenn sie wollten, gar aus Mossul zu vertreiben.

Der Blitzkrieg der Isis hat aber gezeigt, was dem Irak bevorsteht: Die Teilung des Landes in ein schiitisches Siedlungsgebiet im Süden, in ein sunnitisches in der Mitte und ein kurdisches im Nordosten. Die Amerikaner hatten dem irakischen Premier Maliki vor zehn Jahren eine Föderation vorgeschlagen, aber der Schiit lehnte ab. Jetzt muss er froh sein, wenn dank der Iraner und Amerikaner der schiitische Teil weitgehend erhalten bleibt.

Isis hat die offene Feldschlacht zwischen Schiiten und Sunniten auf dem regionalen Pulverfass eröffnet und niemand weiß, wohin der Funke noch sprüht.

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