Flensburgerin gegen Andrea Nahles : Interview mit Simone Lange: „Positive Resonanz motiviert mich“

Kandidatur als SPD-Chefin: Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange will den Mitgliedern eine echte Auswahl bieten.

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13. Februar 2018, 18:35 Uhr

Frau Oberbürgermeisterin Lange, um die Nachfolge des SPD-Bundesvorsitzes in der Linie von Willy Brandt & Co. bewirbt man sich ja nicht nach einer schlechten Nacht. Wann ist Ihr Entschluss gereift?
Er ist über einige Tage gereift, aber gefasst habe ich ihn tatsächlich am Montag.

Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?
Im Einschätzen von Aussichten bin ich denkbar schlecht. Ich will mich auch gar nicht damit befassen. Es geht mir tatsächlich um die Sache. Hier wurde ein Weg beschritten, den ich für die Sozialdemokratie für falsch halte. Es geht um das höchste Amt der SPD in Deutschland. Das nicht auf eine breite Basis zu stellen, halte ich für den falschen Weg. Bis Montagabend hat sich kein anderer Weg offenbart, als Andrea Nahles kommissarisch ins Amt zu heben. Da habe ich gesagt, ich biete mich jetzt an. Ich möchte, dass die Mitglieder eine echte Auswahl haben – und dass sich der Parteivorstand mit dem Verfahren befasst.

 

Hat Frau Nahles Sie schon angerufen?
Nein, das muss sie auch nicht. Gerhard Schröder hat sich gemeldet. Er macht aus seiner Kritik an meiner Kandidatur keinen Hehl.

Natürlich interessiert nicht nur die Flensburger: Im Erfolgsfall – werden Sie komplett nach Berlin wechseln oder bleiben Sie Oberbürgermeisterin?
Wenn es ein Minister schafft, gleichzeitig Parteivorsitzender zu sein, dann kann es eine Oberbürgermeisterin auch. Ich sehe Hauptamt und Ehrenamt als vereinbar an. Noch sind wir lange nicht so weit. Ich will die nächsten Tage erst einmal nutzen, um deutlich zu machen, wofür ich stehe.

Haben Sie die Reaktionen auf Ihre Kandidatur als Parteivorsitzende unterschätzt?
Mir war schon bewusst, dass es zu deutlichen Reaktionen kommt. Was mich überwältigt, ist die überwiegend positive Resonanz. Das motiviert mich auch. Das zeigt, dass mein Schritt richtig war, der Partei eine Auswahl zu geben. Ich bin jetzt wirklich gespannt, wie der Parteivorstand auf meinen Brief antwortet und ob es ein offenes Verfahren gibt: Ich stehe für Transparenz. Die SPD-Mitglieder wissen ganz genau, welche Inhalte wir bewegen sollten – und sie haben ein gutes Gespür dafür, wer der oder die Richtige ist, um die Partei anzuführen.

Die SPD-Personaldebatte wird von Vorstandsmitgliedern, von Stegner bis Schäfer-Gümbel, immer wieder für beendet erklärt. Was sagen Sie denen?
Die Personaldebatte ist weit vor meiner Ankündigung angestoßen worden – und sie kam aus Berlin. Es ist richtig, als erstes jetzt über den Koalitionsvertrag abzustimmen. Der Mitgliederentscheid steht jetzt an. Deshalb sollten wir den Genossinnen und Genossen auch sagen, dass es einen zweiten Parteitag geben wird, der sich dann mit der Personalfrage beschäftigt. Das bringt Ruhe und Motivation. Es wird eine echte Wahl geben. Das ist für die Mitglieder unserer Partei ganz entscheidend, gerade in Zeiten, in denen wir bis auf 16 Prozent abgerutscht sind.

Wie sehen Sie die Verbindung der Personaldiskussion mit dem Mitgliederentscheid Groko?
Die Personaldiskussion ist leider da. Mir wäre lieber gewesen, es wäre bei der Veröffentlichung des Koalitionsvertrages auf die Personalbestellung verzichtet worden. Nur weil beides gleichzeitig bekanntgegeben wurde, war die Personaldebatte entfacht, weil es Unzufriedenheiten auf beiden Seiten der Koalitionspartner gibt. Dass Martin Schulz den SPD-Vorsitz nicht mehr weiter übernehmen will, finde ich sehr schade. In der Phase hätte es uns gut getan, wenn er den Mitgliederentscheid noch begleitet hätte. Dennoch verdient seine Entscheidung Respekt. Jetzt ist die Position frei, und es wäre besser gewesen, jemanden aus der großen Stellvertreter-Riege kommissarisch einzusetzen, um dann ganz offen und transparent in ein Auswahlverfahren zu gehen.

Wie werden Sie über die Groko abstimmen?
Ich werde meine Entscheidung nicht bekanntgeben. Jedes SPD-Mitglied ist mündig genug, für sich zu entscheiden. Es ist ganz wichtig, dass wir danach zu einer Partei ohne Lagerbildung zurückfinden. Wir müssen gemeinsam die Ziele für die Zukunft feststecken. Dazu gehört ganz zentral die wachsende Kinderarmut in unserer Republik. Wir müssen mutiger sein bei den Debatten, wie wir diese Probleme lösen.

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