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Tag der Pressefreiheit : Interaktive Karte: So steht es weltweit um die Pressefreiheit

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Wo ist die Presse frei? Wo wird sie unterdrückt? Das zeigt unsere Karte. Dazu ein Kommentar von Stefan Hans Kläsener.

shz.de von
erstellt am 03.Mai.2016 | 12:32 Uhr

Heute, am 3. Mai, ist Internationaler Tag der Pressefreiheit. Initiiert wurde er von der Uno-Unterorganisation Unesco. Weltweit nutzen Journalisten diesen Tag, um darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig Pressefreiheit für funktionierende Gesellschaften ist (siehe unten auch den Kommentar von Chefredakteur Stefan Hans Kläsener).

Die Organisation Reporter ohne Grenzen veröffentlicht jährlich eine Rangliste der Pressefreiheit. Die Daten haben wir in eine interaktive Karte gegossen.

Quelle: Reporter ohne Grenzen.

Farben von hellgelb (große Pressefreiheit) bis dunkelrot (unterdrückte Presse)

Bedienung: Mouseover: grundlegende Daten pro Land; Klick: mehr Details

Zur Methodik: Reporter ohne Grenzen fragt weltweit Journalisten in einem Fragebogen nach ihren Arbeitsbedingungen. Dazu kommt eine Zählung der Übergriffe auf Journalisten. Diese kann die Punktzahl verschlechtern, aber nicht verbessern. Bei beiden Kategorien gilt: Je niedriger, desto besser. Beispiel: Deutschland erreicht im Fragebogen eine Zahl von 9,21. Das wäre weltweit Rang 5. Wegen Übergriffen auf Journalisten, etwa bei Pegida-Demonstrationen, rutscht Deutschland jedoch auf eine Punktzahl von 14,8. Das entspricht Rang 16 nach Rang 12 im Jahr 2015.

Eine genaue Beschreibung der Methodik von Reporter ohne Grenzen finden Sie hier.


Kommentar von Chefredakteur Stefan Hans Kläsener

Ein Tag für aufgeklärte Bürger

Warum Pressefreiheit so wichtig ist

Hosam Katan ist ein junger Syrer und ambitionierter Fotograf, wenn auch bislang ohne Ausbildung. Als er in Aleppo entsetzliche Bilder vom Leid der Zivilbevölkerung fotografierte, traf ihn der Schuss eines Scharfschützen. Katan überlebte, floh nach Deutschland und erhielt für seine erschütternden Fotos, aber vor allem für seinen Mut vergangene Woche einen Preis, der auf den Namen Henri Nannen hört und damit an eine stolze journalistische Tradition hierzulande anknüpft. Soweit die glänzende Seite der Medaille.

Im Schatten liegt die andere Seite: Hosam Katan war der letzte Fotograf in Aleppo, der seiner Arbeit noch nachging. Wer dokumentiert jetzt das Grauen? Seine Flucht bedeutet auch, dass vieles im Dunkeln bleiben wird, was deswegen aber noch lange nicht ungeschehen ist. Das Törichte an der Presseschelte ist ja nicht, sie für den einen oder anderen Auswuchs zu kritisieren, ihren gelegentlichen Alarmismus zu brandmarken oder allzu wohlfeile Kommentare zu beklagen. Gefälligkeitsjournalismus ist immer schlechter Journalismus, das weiß die Zunft selbst am besten. Das Törichte an Vorwürfen wie Lügenpresse ist die Blindheit gegenüber der Alternative: Keine Presse zu haben oder aber eine, die nicht schreiben kann, was sie in Erfahrung gebracht hat, ist der sichere Tod einer freien Gesellschaft. Sie legt einen Staat unter den bleiernen Mehltau der Unmündigkeit seiner Bürger.

Daran heute zu erinnern, wie wichtig Unabhängigkeit und Unbestechlichkeit von Journalisten ist, damit es überhaupt zu einer Verständigung in Gesellschaften kommt, hat nichts mit Eitelkeit oder Selbstbespiegelung zu tun. Journalisten sollten deswegen in ihrer Arbeit unter einem besonderen Schutz stehen, weil sie sonst ihre innere Unabhängigkeit verlieren könnten. Privilegien haben sie deshalb nicht – und dürfen auch keine eingeräumt bekommen. Angesichts der Krisen in der Welt ist heute ein wichtiger Tag – für aufgeklärte Bürger wie für Journalisten.

 

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