In Lack und Leder über den Bodensee

Zu Hunderten stehen die Zuschauer am Veranstaltungsschiff, um die Lack- und Lederfans wie Außerirdische zu fotografieren.
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Zu Hunderten stehen die Zuschauer am Veranstaltungsschiff, um die Lack- und Lederfans wie Außerirdische zu fotografieren.

Sogenannte Erotik-Schiffe sorgen für Aufregung / Für die meisten Zuschauer ist das nur ein farbenfröhliches Spektakel

shz.de von
29. Juni 2014, 15:30 Uhr

Rund 600 Lack- und Leder-Fans haben am Wochenende auf dem umstrittenen „Torture Ship“ (Qualen-Schiff) am Bodensee gefeiert. In fantasievollen Kostümen kamen die Fahrgäste auf das Schiff – bestaunt von Hunderten Schaulustigen. Das Schiff ist nach Angaben des Veranstalters bereits seit 17 Jahren auf dem Bodensee unterwegs, doch in diesem Frühjahr hatte die geplante Fahrt – ebenso wie ein weiteres Erotikschiff im August – für Diskussionen gesorgt. Eine CDU-Kommunalpolitikerin aus Friedrichshafen bezeichnete die Schiffe als „unanständig“, der Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt (CDU) lehnte die „Vermietung von Schiffen aus der BSB-Flotte für Sex-Veranstaltungen“ per Pressemitteilung ab. Inzwischen klingen die Töne allerdings versöhnlicher: Partyschiffe stünden nicht zur Debatte, nur „Sex-Veranstaltungen“, heißt es bei der Stadt. „Nach den uns vorliegenden Informationen handelt es sich beim Torture Ship um eine Party-Veranstaltung.“ Für die Zuschauer an der Anlegestelle ist das Schiff ein großes Spektakel: Schaulustige fangen mit ihren Kameras Dominas, Sklaven, Peitschen und allerlei fantasievolle Latexgewänder ein.

Ingenieure, Ärzte, Bänker oder Marketingprofis feiern gemeinsam ihre Vorlieben. Nicht nur aus dem Ländle, auch aus Kassel oder Berlin reisen die Anhänger von Lack und Leder an. Die Fahrt ist verregnet – dass es stürmt, tut der Stimmung aber keinen Abbruch. Die Organisatoren der Schiffe wiederum hatten sich vehement gegen die Bezeichnung „Sex-Veranstaltung“ gewehrt.

Das Spektakel hatte bereits in den vergangenen Jahren Tausende Zuschauer angezogen: An den Anlegestellen warteten oft zahlreiche Schaulustige, um die Mitglieder der Sado-Maso-Szene zu sehen, die in Lack, Leder oder Latex, mit Ketten, Peitschen und Stachelhalsbändern ausstaffiert auf das Schiff gingen. „Das Publikum besteht aus unterschiedlichen Leuten – die meisten freuen sich, sind begeistert und finden das toll“, sagte der Veranstalter.

Eine 57-jährige Verkäuferin auf dem Schiff ist verwundert über die ganze Aufregung: „Vielleicht denken die, das ist Sodom und Gomorra, aber das ist es ja gar nicht“, sagt sie. „Das ist wie beim Essen und Trinken: Man muss auch mal den Mut haben, etwas Neues auszuprobieren“.

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