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Politik

17. Dezember 2017 | 19:03 Uhr

In der Wagenburg

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mit Prokon endet auch der Versuch, die Energiewende an Banken und Großkonzernen vorbei zu finanzieren

shz.de von
erstellt am 17.Jan.2014 | 12:08 Uhr

An Warnungen hat es nie gefehlt. Jeder Anleger konnte wissen, dass die hohen Zinsen für eine Geldanlage bei Prokon mit einem erheblichen Risiko erkauft waren. Experten warnten immer wieder vor einem Schneeballsystem, das sich hinter dem attraktiven Versprechen verbergen könnte. Prokon muss klar gewesen sein, dass eine solch üppige Zusage in Zeiten niedriger Zinsen vor allem die Gierigen anlocken würde. Es mutet daher fast naiv an, wenn das Unternehmen jetzt mit Appellen arbeitet, Prokon zu vertrauen und das Geld im Unternehmen zu lassen. Der Faktor Vertrauen spielte offenkundig nie eine Rolle, auch wenn Prokon das Gegenteil glaubt und behauptet.

Mit der Krise des Unternehmens endet ein Versuch, unabhängig von Banken oder Großkonzernen die Energiewende zu schaffen und mit alternativen Technologien Geld zu verdienen, getrieben von einem hohen Sendungsbewusstsein und mit einem unverkennbaren Überlegenheitsgefühl. Aus dieser Haltung wächst jetzt ein wesentlicher Grund für den drohenden Untergang. Ablesbar ist das an der Internet-Seite. Sie ist sorgfältig von jedem kritischen Ton gereinigt, die Einseitigkeit der Weltsicht macht fassungslos. Was draußen geschieht, interessiert in der Firmenzentrale offenbar nicht mehr. Den Dialog mit seinen Kritikern hat die Firma eingestellt. Fragen darf niemand stellen. Es gibt keine Transparenz. Man lebt in einer Wagenburg. Das ist ein fataler Fehler, denn wer soll die Zahlen, die da verbreitet werden, eigentlich für echt halten und sein Geld trotz Krisenmeldungen in der Firma lassen? Vielleicht ist ja alles noch viel schlimmer, als das Unternehmen zugibt? Man mag die Idee von Prokon von Beginn an für grenzwertig halten. Das Scheitern belegt indes nur, dass auch auf dem Energiemarkt normale ökonomische Gesetze Einzug halten. Die Gründerzeit ist vorbei. Nur wer solide finanziert und Vertrauen schafft, hat eine Chance, wirtschaftlich zu überleben. Das ist schade für den Standort Itzehoe, denn Prokon war eine Chance für die Region. Doch es ist gut für alle Anleger. Windige Geschäfte haben offenbar keine Zukunft.

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