Zeit für weniger Angst : In der Corona-Pandemie lernt man immer dazu. Na dann: Bittschön!

Author: Jens Büttner/dpa
Was hat der Bundesgesundheitsminister Lauterbach mit dem Corona-Regelchaos zu tun?

Bundeskanzler Olaf Scholz hat es als Erfolg der gegenwärtigen Schutzmaßnahmen vor Corona bezeichnet, dass die Omikron-Welle Deutschland später erreicht habe als andere Länder. Aber eine Frage muss erlaubt sein: Na, und?

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25. Januar 2022, 09:24 Uhr

Mit Blick auf die Krankenhäuser wäre nicht die späte, sondern eine flache und lang gestreckte Welle wünschenswert.

Die Logik der Argumentation ist ähnlich begrenzt wie wenn das Land Niedersachsen plant, 2G-Ausnahmen für Kinder und Jugendliche zu streichen. In Niedersachsen sehen die Zahlen nicht groß anders aus als anderswo. Daran haben weder die bedingte Freiheit für Minderjährige was geändert, noch Richter, die 2G-Regeln im Einzelhandel gekippt haben. Was spricht dafür, dass das künftig anders wäre? Wieso folgt nicht vielmehr die Politik in anderen Ländern dem Beispiel Hannovers? Andere Richter jedenfalls, so in Bayern und im Saarland, haben es inzwischen jedenfalls getan.

Puffer in den Kliniken

Von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach mag man gar nicht reden. Im Gegensatz zum fortlaufenden Anschein, der erweckt wird, ist der Puffer in den Krankenhäusern immens. Davon hört man wenig, viel hingegen von schiefen Zahlen über Ungeimpfte. Offenkundig ist außerdem, dass Spekulationen über eine unsichere Datenlage zu Jahresbeginn abermals übertrieben waren, Stichwort Meldeverzug. Es gab ihn nicht im relevanten Ausmaß, ebenso wie schlagzeilenträchtige Szenarien des Schreckens der Modellierer zum wiederholten Male nicht eintrafen und es diesmal mit Blick auf die Verläufe in anderen Ländern auch nicht dadurch erklärbar ist, dass genau ihre Prognosen eine schlechte Entwicklung überhaupt erst verhindert hätten.

In dieser Pandemie lernt man ständig dazu, heißt es häufig als Erklärung für Fehler. Na dann: Bitteschön! Es wäre an der Zeit, Worst-Case-Warnungen weniger Bedeutung zu schenken, sondern von einer Wahrheit auszugehen, die in der Mitte liegt. Auf die Wissenschaft zu hören ist ja gut. Von Orakeln leiten lassen sollte man sich nicht.​

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