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Imagewandel im Lauf der Zeit

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Zeit heilt nicht nur alle Wunden, sie bessert auch manchen Charakter auf. Eben ist jemand noch ein Schurke, dann vergehen ein paar Jahrzehnte, und plötzlich heißt es: War doch gar nicht so schlimm, hatte auch seine guten Seiten. Zum Beispiel Heinrich Himmler, Reichsführer der SS. Die „Welt“ hat Briefe veröffentlicht, in denen der Massenmörder als liebevoller Familienvater auftritt. „Ich fahre nach Auschwitz. Küsse, Dein Heini“, schreibt er der Gattin. Fehlt nur noch die Behauptung, dass die Geschichte des 3. Reiches wieder einmal umgeschrieben werden muss, wie damals bei den vermeintlichen Hitler-Tagebüchern. Auch der Führer soll nicht ganz so übel gewesen sein, wie er als Redner auftrat, hat der ehemalige „Zeit“-Journalist Volker Ullrich in einem unlängst erschienenen Buch über A. H. festgestellt. Zum Umschreiben der Geschichte reicht diese Enthüllung aber auch nicht. Genau das könnte allerdings nötig werden, wenn es stimmt, was ein Team um den Mannheimer Psychiater Heinz Häfner festgestellt haben will: Die Wissenschaftler sind überzeugt, dass der Bayern-König Ludwig II. gar nicht geisteskrank war, also zu Unrecht abgesetzt wurde. Unfähigkeit des Hausarztes, mit dem Majestät im Starnberger See versank, und Intrigen hätten den nur ein wenig seltsamen Monarchen vom Thron gejagt. Dank der in Mode gekommenen charakterlichen Nachbesserung ist auch der aus Kiel stammende und bisher als verrückt eingestufte Zar Peter III. zu einem weitsichtigen Reformer befördert worden. Man darf gespannt sein, welcher Prominente als nächster imagemäßig aufpoliert wird.

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erstellt am 28.Jan.2014 | 11:46 Uhr

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