Im Dschungel von Erfurt

shz.de von
27. November 2014, 12:06 Uhr

Zuweilen können Kabarettisten wirklich Komisches bieten. Olaf Schubert etwa, der Mann mit dem karierten Westover. Er behauptet, seine Heimat Thüringen sei zu 80 Prozent mit Wald bedeckt, und auf dem restlichen Gebiet stünden Bäume. Nächste Woche soll in Erfurt ein neuer Ministerpräsident gewählt werden. Vermutlich der Linke Bodo Ramelow. Ob das gut oder schlecht ist, darüber lässt sich streiten. Unbestritten kurios ist dagegen das örtliche Wahlrecht. Es könnte ein Gesetz aus dem Dschungel-Buch sein, bietet es nach Auskunft eines Rechtsgelehrten doch die Möglichkeit, dass der Kandidat, sollte sich ihm kein Gegner stellen, zum Ministerpräsidenten gewählt wird, wenn im dritten Wahlgang nur ein einziger Abgeordneter ein Ja-Kreuz abgibt. Die Landesverfassung bestimmt nämlich, dass „nur die Ja-Stimmen“ zählen. Da Rot-Rot-Grün über die Mehrheit von nur einem Mandat verfügt, trieb in einigen Medien schon wieder der Heide-Mörder sein Unwesen. Dem Erfurter Gutachten zufolge hätte der noch immer nicht gefasste Täter, anders als 2005 in Kiel, im Waldgebiet von Thüringen keine Chance, erneut politisch meucheln zu können.

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