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Islamistische Terrorgruppe in Nigeria : Hunderte Frauen und Kinder von Boko Haram entführt

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Die nigerianische Terrormiliz Boko Haram schockt das Land mit einer weiteren Massenentführung. Fragen und Antworten.

shz.de von
erstellt am 25.Mär.2015 | 16:37 Uhr

Abuja | Die islamistische Terrorgruppe Boko Haram hat im Nordosten Nigerias nach Angaben eines örtlichen Beamten womöglich bis zu 350 Frauen und Kinder entführt. Die sunnitischen Kämpfer töteten im Ort Damask nahe der Grenze zum Niger mehrere Menschen und nahmen alle, die nicht schnell genug geflohen waren, als Geiseln, wie der Beamte Usmanu Yusuf am Dienstag telefonisch aus der Stadt Maiduguri sagte. Nigeria hat die Entführung bestätigt.

Boko Haram hat den Norden Nigerias unter seine Kontrolle gebracht und möchte dort einen islamischen Gottesstaat errichten. Das afrikanische Land ist nicht in der Lage, die Terroristen zu bekämpfen, die seit 2009 im Nordosten aktiv sind. Bei Anschlägen und Angriffen der Gruppe kamen seither mindesten 13.000 Menschen ums Leben. 1,5 Millionen Menschen sind auf der Flucht. 2014 machte die Entführung Hunderter christlicher Schulmädchen Schlagzeilen. Die Kinder sind größtenteils noch in der Gewalt der Islamisten.

Regierungssprecher Mike Omeri sagte am Mittwoch, die sunnitischen Fundamentalisten hätten vor der Rückeroberung des Ortes Damasak letzte Woche durch das Militär zahlreiche Menschen entführt. Womöglich handelte es sich bei der aktuellen Entführung um einen Racheakt, da Damasak erst vergangene Woche von den Armeen des Niger und des Tschad zurückerobert worden war. Der Beamte in der Hauptstadt des Bundesstaats Borno sagte, er sei informiert worden, dass rund 350 Frauen und Kinder entführt worden seien. Der Ort sei nicht gegen die Angreifer verteidigt worden. „Es war niemand da, sie aufzuhalten“, sagte Yusuf.

Der Angriff auf Damasak kam nur wenige Tage vor der Präsidentenwahl im westafrikanischen Nigeria am Samstag, bei der Präsident Goodluck Jonathan noch einmal antritt.

Was ist das Ziel von Boko Haram?

Die radikalen Islamisten wollen im Nordosten Nigerias und den angrenzenden Gebieten einen sogenannten islamischen Gottesstaat mit strengster Auslegung des islamischen Rechts gründen. Bei Angriffen und Anschlägen der selbst ernannten Gotteskrieger sind seit 2009 bereits mehr als 13.000 Menschen getötet worden. Mehr als 1,5 Millionen Menschen sind vor der Gewalt geflohen. Boko Haram leistete jüngst auch der im Irak und Syrien aktiven Terrormiliz Islamischer Staat einen Treueschwur, um das gemeinsame Ziel der Errichtung eines Kalifats zu verfolgen.

Was passiert mit entführten Frauen und Kindern?

Boko Haram zwingt nicht-muslimische Geiseln, zum Islam zu konvertieren. Frauen und Mädchen werden entweder als Sklaven gehalten oder zwangsweise mit Kämpfern der sunnitischen Fundamentalisten verheiratet. Damit brüstete sich Boko-Haram-Anführer Abubakar Shekau im vergangenen Jahr in einer Video-Botschaft. Entführte Jungen werden einigen Experten zufolge unter Todesdrohungen gezwungen, für die Gruppe zu kämpfen.

Was ist mit den entführten Schülerinnen aus Chibok passiert?

Trotz des internationalen Aufschreis im vergangenen Jahr nach der Entführung von mehr als 200 christlichen Schülerinnen fehlt von den Mädchen weiter jede Spur. Die weltweite Kampagne „bring back our girls“ (bringt unsere Mädchen zurück) wurde unter anderem von Prominenten wie der amerikanischen First Lady Michelle Obama unterstützt. Nigerianische Behörden haben zwischenzeitlich verlauten lassen, der Aufenthaltsort der Entführten sei bekannt. Bislang wurde jedoch offenbar keines der Mädchen befreit.

Wie kann Boko Haram anscheinend unbemerkt Hunderte gefangen halten?

Die Terrormiliz kontrolliert Teile des Nordostens Nigerias. Das Militär hat Boko Haram zuletzt dank der Hilfe von Soldaten aus den Nachbarländern Tschad und Niger etwas zurückgedrängt, aber es gibt immer noch Gebiete, in denen Polizei und Regierungstruppen keinen Einfluss haben.

Wieso gibt es so wenig gesicherte Informationen?

In den drei umkämpften Bundesstaaten im Nordosten Nigerias gilt das Kriegsrecht. Telefonverbindungen sind zumeist gekappt, so dass Informationen nur schleppend und unvollständig nach außen dringen.

Nur wenige unabhängige Journalisten kommen in die umkämpften Gebiete, teils wegen des Sicherheitsrisikos, aber auch, weil das Militär den Zugang strikt kontrolliert. Die nigerianische Regierung hat sich bislang eher bemüht, für sie negative Informationen über den Vormarsch Boko Harams zu vertuschen.

 

 

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