Hotel-Empfangschef nimmt Wulff in Schutz

Avatar_shz von
22. November 2013, 00:34 Uhr

Mitarbeiter des Luxushotels „Bayerischer Hof“ in München haben als erste Zeugen im Korruptionsprozess gegen Ex-Bundespräsident Christian Wulff ausgesagt. Während eines Oktoberfestbesuchs 2008 soll Filmproduzent David Groenewold einen Teil von Wulffs Logis-Kosten übernommen haben. Der Empfangschef des Hauses sagte gestern als Zeuge, es sei durchaus möglich, dass Wulff nichts davon mitbekommen habe, dass seine Rechnung teilweise von Groenewold beglichen worden sei. Wulff, damals Ministerpräsident in Niedersachsen, warb später für einen Film Groenewolds beim Elektrokonzern Siemens um Unterstützung. Das frühere Staatsoberhaupt muss sich deswegen seit vergangener Woche wegen Vorteilsannahme vor dem Landgericht Hannover verantworten.

Der Hotel-Empfangschef erklärte, es sei durchaus üblich, Rechnungen zu teilen, etwa wenn Unternehmen einen Teil davon zahlten. Beim Auschecken müsse der Gast dies nicht zwingend erfahren. Der Zeuge berichtete weiter, es habe beim Aufenthalt der Wulffs während des Oktoberfestbesuchs 2008 ein kostenloses Zimmer-Upgrade gegeben, unter anderem, weil mit einer Amex-Kreditkarte gebucht worden sei. „Natürlich auch, weil es Herr Wulff war, das ist ja klar“, sagte der 48-Jährige. Die Wulffs hätten in einer Suite genächtigt, deren normaler Preis damals pro Nacht bei über 1000 Euro gelegen habe. Dem Ministerpräsidenten sei das Zimmer für 383 Euro pro Nacht angeboten worden. Von Wulffs Rechnung soll Groenewold dann am Ende 200 Euro übernommen haben.

Die Chefkassiererin des Hotels konnte sich dagegen überhaupt nicht mehr an die Vorgänge erinnern.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen