Ed Miliband gegen David Cameron : Hotdog-Gate und #milifandom: So schön ist der Wahlkampf in Großbritannien

Wahlkampf ist langweilig? Nicht in Großbritannien mit Cameron und Miliband. Sechs Beweise, fast ohne politische Inhalte.

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01. Mai 2015, 18:21 Uhr

Am 7. Mai wählen die Briten ein neues Parlament. Die Wahlen zum Unterhaus 2015 bezeichnen Meinungsforscher als knappste seit Jahrzehnten. Kaum eine Umfrage sieht derzeit eine Konstellation, in der David Cameron nochmals eine Mehrheit für eine zweite Amtszeit in der Downing Street zusammenbringen könnte. Wahlkampf in Großbritannien, das heißt: keine Wahlplakate, keine Parteibasis in den Fußgängerzonen, dafür klingeln die kandidierenden Politiker an den Haustüren. Und die beiden Spitzenkandidaten - der Tory-Ministerpräsident David Cameron und Labour-Chef Ed Miliband - machen den Wahlkampf bunt. Ein Überblick.

David Cameron und seine Karriere, sorry, sein Land

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Am 1. Mai, knapp eine Woche vor der Wahl, zieht der Premier den allgemeinen Spott auf sich. Schuld ist ein Versprecher bei einer Fragerunde in Leeds. „Das ist eine wirklich entscheidende Wahl für die Karriere... für das Land, die wir jetzt in weniger als einer Woche haben“, sagt Cameron. Ups.

Cameron, ein Hotdog, Messer und Gabel

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Wie isst man einen Hotdog? Diese Frage wird in Großbritannien zum Politikum. Volksnah - das will ein Politiker im Wahlkampf sein. Also besucht der Regierungschef David Cameron ganz normale Durchschnittsbriten. Immer dabei: Fotografen und TV-Teams. Am Ostermontag ist Cameron mit seiner Frau Samantha und seiner kleinen Tochter bei Familie Docherty in Poole zu Gast. Serviert werden - unter anderem - Hotdogs. Cameron greift zu (gut, weil volksnah) - und dann zum Besteck (schlecht, weil versnobt). Auch das bringt ihm viel Spott ein. Weltweit.

Camerons Kindergarten-Fail

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="en"><p>I think <a href="https://twitter.com/David_Cameron">@David_Cameron</a> has that effect on most of us <a href="https://twitter.com/hashtag/spineless?src=hash">#spineless</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/weak?src=hash">#weak</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/appeasing?src=hash">#appeasing</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/failure?src=hash">#failure</a> <a href="http://t.co/5I5VTmrgCF">pic.twitter.com/5I5VTmrgCF</a></p>&mdash; Kez ن (@Kez_777) <a href="https://twitter.com/Kez_777/status/589162847223033856">April 17, 2015</a></blockquote></center>

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Kurz nach der Hotdog-Panne trifft Cameron im Kindergarten das Pech - in Gestalt der sechsjährigen Lucy. Die ist bei diesem Wahlkampftermin entweder sehr müde oder - je nach Interpretation - sehr gelangweilt. Fest steht: Cameron liest vor, Lucys Kopf sinkt auf die Tischplatte, ein Fotograf drückt auf den Auslöser. Im Netz stürzen sich viele genüsslich auf dieses Bild, das anscheinend Bände spricht.

Ed Miliband lernt „Yolo

Ed Miliband
dpa
Ed Miliband

Wenn Sie unter 30 sind, wissen Sie wahrscheinlich, was das Akronym „Yolo“ bedeutet. Nämlich: „You only live once“. Ed Miliband ist 45 Jahre alt - und nimmt in einem Interview mit dem Magazin „Time Out London“ Jugendsprache-Nachhilfe. Begeistert will er die vier Buchstaben, die schon seit ein paar Jahren Baseballcaps, Shirts und Smartphone-Hüllen von Teenagern zieren, in seinen aktiven Wortschatz übernehmen. Schließlich lebt er ja auch nur einmal. Der Interviewer und seine Mitarbeiter geben ihm aber den heißen Tipp, es lieber zu lassen. Nachzulesen bei Twitter:

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="en"><p>From <a href="https://twitter.com/TimeOutLondon">@TimeOutLondon</a>&#39;s hard-hitting interview with <a href="https://twitter.com/Ed_Miliband">@Ed_Miliband</a>, out tomorrow. <a href="https://twitter.com/hashtag/yolo?src=hash">#yolo</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/badlybriefed?src=hash">#badlybriefed</a> <a href="http://t.co/qGLlKdfT6X">pic.twitter.com/qGLlKdfT6X</a></p>&mdash; Time Out London (@TimeOutLondon) <a href="https://twitter.com/TimeOutLondon/status/590132920125431809">April 20, 2015</a></blockquote></center>

Der Twitter-Hashtag #milifandom

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="en"><p><a href="https://twitter.com/hashtag/MilibandMustWin?src=hash">#MilibandMustWin</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/milifandom?src=hash">#milifandom</a> <a href="http://t.co/0Xymzy2oUJ">pic.twitter.com/0Xymzy2oUJ</a></p>&mdash; luc [PB] (@luceee_hall) <a href="https://twitter.com/luceee_hall/status/590580885168197632">April 21, 2015</a></blockquote></center>

Apropos Twitter und Ed Miliband: In dem Netzwerk treibt der britische Wahlkampf die schönsten Blüten. Unter anderem auf dem Kopf des Labour-Kandidaten. Unter dem Hashtag #milifandom posten Nutzer Bilder von Ed Miliband als James Bond, David Beckham - oder eben mit Blumen im Haar.

„Fandom“, das ist das englische Wort für die Fangemeinschaft. Den Fankult ausgelöst hat offenbar die 17-jährige Nutzerin Abby, Schülerin und Labourmitglied. Wählen darf sie noch nicht. Einen Twitter-Trend setzen schon.

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="en"><p>David Cameron doesn&#39;t think I deserve the vote because I&#39;m 17. I started the <a href="https://twitter.com/hashtag/milifandom?src=hash">#milifandom</a> campaign to show how powerful young people are.</p>&mdash; abby (@twcuddleston) <a href="https://twitter.com/twcuddleston/status/590607838751371264">April 21, 2015</a></blockquote></center>

Sie wolle nicht, dass ihre Eltern von der Kampagne erfahren, berichtet der Guardian über Abby. Denn die seien Tory-Wähler. So funktioniert pubertäre Rebellion im Jahr 2015.

Gruppenumarmung ohne Miliband

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Kommt also Miliband wirklich ganz ohne peinliche Situationen aus? Natürlich nicht. Die Ausgangssituation: die letzte TV-Debatte vor der Parlamentswahl am 17. April. Auf der Bühne: die Chefin der Schottischen Nationalpartei (SNP), Nicola Sturgeon, der Chef der europakritischen UK Independence Party (Ukip) Nigel Farage, Grünen-Chefin Natalie Bennett, Plaid-Cymru-Chefin Leanne Wood und Labour-Chef Ed Miliband. Richtig, der amtierende Ministerpräsident David Cameron fehlt. Doch das ist eine andere Geschichte.

Beim schönsten Moment des TV-Duells läuft schon der Abspann: Die drei Frauen auf der Bühne schließen sich zu einer Dreier-Umarmung zusammen. Daneben steht Ed Miliband und guckt traurig zu. Kein Wunder: Schließlich hatten die Damen 90 Minuten lang gegen Labour gewettert. Auf die Umarmung folgte ein Händeschütteln mit dem Labour-Chef. Noch trauriger war die Verabschiedung wohl nur für Nigel Farage - er bekam keine Umarmung und nur die Hände von Miliband und Sturgeon.

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