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Nord-Süd-Leitung : Horst Seehofer – der Ohne-Michel

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 06.Feb.2014 | 09:29 Uhr

Es geht voran: Gestern haben die Netzbetreiber ihren Vorschlag für den Verlauf der großen Nord-Süd-Leitung vorgestellt, die Windstrom von Schleswig-Holstein nach Bayern bringen soll. Wenn bis 2022 alle deutschen Kernkraftwerke stillgelegt werden, kann so die Versorgung Süddeutschlands mit erneuerbarer Energie sichergestellt werden. Dort stehen sechs der neun noch abzuschaltenden Atommeiler.

Tatsächlich geht es aber doch nicht voran. Denn plötzlich legt sich einer quer und sagt: Ohne mich. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer will auf einmal keine neuen Leitungen mehr. Vor allem eine geplante Trasse aus Sachsen-Anhalt stört ihn und viele Bürger. Daher will der CSU-Chef sehr zum Unmut von seinem schleswig-holsteinischen Amtskollegen Torsten Albig die neuen Stromleitungen erst mal nicht mehr weiterplanen – jedenfalls so lange nicht, bis Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel seine endgültigen Reformpläne für die Energiewende vorgelegt hat.

Dabei ist unabhängig von Gabriels Plänen klar, dass gerade das wirtschaftsstarke Bayern nach der Energiewende mehr Ökostrom braucht. Und da Seehofer Windräder im eigenen Land auch nur in weiter Ferne sehen mag, wird der Freistaat auf Stromexporte und damit auf Leitungen aus dem Norden angewiesen sein – deren Bau Seehofer im Bundesrat übrigens zugestimmt hat.

Dass der Bayer davon nun nichts mehr wissen will und anders als Albig und dessen grüner Energieminister Robert Habeck den Weg des geringsten Widerstands in seinem Land einschlägt, kann zwei Gründe haben. Entweder will der Ohne-Michel Seehofer nur für seine CSU ein möglichst gutes Ergebnis bei den bayrischen Kommunalwahlen im März herausholen. Dann wirft sein Widerstand die Energiewende wohl nur um einige Wochen zurück. Oder aber er will ernsthaft den Atomausstieg in Frage stellen und die vier bayrischen Kernkraftwerke weiterlaufen lassen. Dann wäre die Energiewende gescheitert.

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