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US-Wahlkampf 2016 : Hillary Clinton spielt Donald Trump: Das war ihre Wutrede

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Noch nie zuvor hat Hillary Clinton den US-Milliardär so scharf angegriffen. Was war da los?

shz.de von
erstellt am 03.Jun.2016 | 08:33 Uhr

San Diego | Was für eine Abrechnung! Schärfer, intensiver und gründlicher hat Clinton sich Trump noch nicht vorgenommen. In einer außenpolitischen Grundsatzrede spricht sie Donald Trump sämtliche Fähigkeiten ab, die USA zu führen. Genaugenommen bezweifelt sie sogar seinen Geisteszustand. Beobachter sprechen von einem „Meilenstein im Wahlkampf“.

Im November wird in den USA gewählt. Es gilt als wahrscheinlich, dass Donald Trump und Hillary Clinton als Spitzenkandidaten ins Rennen gehen.

Clinton zeichnet Trump als instabiles Leichtgewicht, als ahnungslosen Politnovizen, gänzlich unvorbereitet, als aggressiven Macho mit fragwürdigen Neigungen. Ihn zu wählen? Ein historischer Fehler. „Unzusammenhängende Tiraden, persönliche Attacken, komplette Lügen!“

Clintons Wutrede lässt sich auf Twitter nachvollziehen:

Die Schärfe dieser Rede war überraschend. Clinton hatte bisher zwar oft und wiederholt gegen Trump Stellung bezogen, aber oft verhalten und noch nie so detailliert. Sie tat das in San Diego im Mantel jenes präsidentiellen Gestus, den sie so sehr an sich mag.

Die Welt der Außen- und Sicherheitspolitik, satte 17 Flaggen um sie herum, 250 Geladene und eine Rede von einem festen Pult: Das liegt der früheren Spitzendiplomatin, First Lady und Senatorin so viel mehr als die Schwüle und Enge des Wahlkampfs. „Ich kann Trumps bizarre Faszination für Diktatoren und starke Männer nicht verstehen“, sagt Clinton. „Ich überlasse seine Vorliebe für Tyrannen den Psychologen.“ Wenn Trump gewönne, feiern würde man im Kreml!

„Stellen wir uns doch einmal vor, Trump hätte nicht nur seinen Twitteraccount zur Verfügung, wenn er wütend wird, sondern das gesamte Waffenarsenal der USA“, sagt Clinton. Einstweilen bleibt es ja bei Trumps Vorliebe für den Kurznachrichtendienst, seine Repliken noch während Clintons Rede bleiben für seine Verhältnisse aber flau und unpräzise. Mäkeleien an Clintons Nutzung eines Teleprompters, der Verweis auf ihre Vergangenheit, außerdem sähe sie überhaupt nicht präsidiabel aus, das war es.

Niemals dürfe so einer auch nur in die Nähe der Atomcodes kommen, sagt Clinton. Womöglich fange Trump kurzerhand einen Krieg an, weil ihm jemand blöd gekommen sei. „Trumps Ideen sind nicht nur eigenartig, sie sind gefährlich zusammenhanglos.“ Clintons außenpolitische Erfahrung ist ein Pfund, mit dem sie weiter wird wuchern wollen. Das ist nicht ganz ungefährlich, weil ihre Zeit im State Department nicht ausschließlich unter „R“ wie „Ruhm“ in den Geschichtsbüchern stehen wird: Stichwort Bengasi mit vier toten Amerikanern beim Angriff auf das US-Konsulat in Libyen, Stichwort Irakkrieg, Stichwort E-Mail-Affäre.

Das ist hier in Kalifornien, wo am Dienstag eine so wichtige Vorwahl stattfindet, aber alles weit weg. Genüsslich ätzt sie gegen Trumps Haltung zur atomaren Bewaffnung anderer Länder, zur Nato, zu China, Russland oder Nahost. Sie verdammt seine Aussagen pro Folter, zerlegt seine Widersprüche im Kampf gegen den Islamischen Staat.

Dieses Bild, so hofft sie, soll nach ihrem wohlpräparierten Ausbruch hängen bleiben: Hier steht Hillary Clinton, erfahrene Außenpolitikerin, Garant der Sicherheit, Inbegriff der Seriosität. Dort aber drohe Trump, der gefährliche Narr in der Nähe des Atomkoffers. Nichts verstehe er von Amerika oder der Welt.

Aufs Engste müssten die USA mit ihren Alliierten kooperieren, sagt Clinton, wendet sich damit gegen Trumps ausgesprochenen Isolationismus. Und fügt hinzu, Amerika müsse führen. Immer, wenn es das nicht tue, hinterlasse es ein Vakuum. Diesen Satz wird nicht nur Trump aufmerksam gehört haben, sondern auch Barack Obama.

Clintons Rede ließ mehr als ahnen, wie gern sie sich voll und ganz dem Republikaner widmen würde. Allzugern nahm die Kandidatin im Wartestand schon mal im Hochsitz Platz. Aber noch ist Vorwahlkampf, auch innerparteilich. Zwischen ihr und Trump und der Welt stehen der grimmige Demokrat Bernie Sanders und sieben letzte Vorwahlen.

So reagiert Trump

Eine Anwort Donals Trumps folgte prompt. Er forderte, dass seine demokratische Konkurrentin Hillary Clinton ins Gefängnis kommt. „Ehrlich, Leute - sie ist sowas von schuldig“, sagte Trump im Zusammenhang mit der E-Mail-Affäre. Die 68-Jährige hatte während ihrer Zeit als Außenministerin ihre Kommunikation über einen privaten Server laufen lassen. Dafür wurde sie in einem Untersuchungsbericht des Außenministeriums gerügt. In dem am Mittwoch veröffentlichten Papier heißt es, Clinton habe sich im Ministerium keine Erlaubnis dafür eingeholt, den privaten Server zu nutzen.

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