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Schiffsunglück vor Libyen : Hilfsorganisation: 400 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken

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Flüchtlingstragödie vor der libyschen Küste: Hunderte starben beim Fluchtversuch aus Afrika – darunter auch Kinder.

shz.de von
erstellt am 15.Apr.2015 | 11:51 Uhr

Reggio Calabria | Das Mittelmeer wird zum Friedhof – das titelten die Zeitungen nach dem großen Schiffsunglück vor Lampedusa 2013. Der Tod hunderter Menschen schockierte die Welt. Doch die Todesfalle Flüchtlingsboot gibt es anderthalb Jahre später noch immer. Vor der libyschen Küste sind nach Angaben einer Hilfsorganisation vermutlich 400 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken. Dies gehe aus Schilderungen von Überlebenden hervor, die in der süditalienischen Stadt Reggio Calabria angekommen seien, teilte die Organisation Save the Children am Dienstag mit. Unter den Opfern seien auch Kinder.

Derzeit kommen Tausende Migranten vor allem aus Ländern Afrikas südlich der Sahara und aus Syrien in Italien an. Mehrere Länder werden von schweren Krisen erschüttert, die die Menschen aus ihren Heimatorten vertreiben. Viele Boote starten in Libyen, das vom Bürgerkrieg zerrissen ist. Aber auch aus anderen nordafrikanischen Ländern starten die „Boat people“. Ziele sind Italien oder Spanien, die als Eingang nach Europa gelten. Viele setzen die Flucht in Richtung Nord- und Mitteleuropa fort. Ende 2013 waren über 51 Millionen Menschen auf der Flucht, darunter mehr als 33 Millionen Männer, Frauen und Kinder im eigenen Land („Binnenvertriebene“). Die Zahl der Flüchtlinge hatte damit den höchsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg erreicht.

Am Montag hatte die italienische Küstenwache 144 Flüchtlinge von einem Boot gerettet, das vor der Küste Libyens gekentert war. Neun Leichen wurden geborgen. Eine große Rettungsaktion wurde eingeleitet. Weitere Überlebende seien aber nicht gefunden worden, meldete die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf die Küstenwache.

Es wäre eine der schlimmsten Flüchtlingskatastrophen auf dem Mittelmeer, seit im Oktober 2013 mehr als 360 Menschen vor der italienischen Insel Lampedusa umgekommen waren. Das Unglück hatte eine große Diskussion um die Flüchtlingspolitik Europas ausgelöst.

Seit Freitag rettete die Küstenwache etwa 8500 Menschen. Viele Auffanglager in Italien sind vollkommen überfüllt. Auf Lampedusa sollen 1400 Menschen in einem Lager sein, das für etwa 250 ausgelegt ist.

„In der Nähe von Tripoli lebten wir für vier Monate in einer Sardinenfabrik, wir waren mehr als tausend Leute“, erzählte eine Gerettete der Agentur Ansa von ihren Erlebnissen vor der Abfahrt. „Wir haben nur einmal am Tag gegessen und konnten nichts machen. Wenn man mit einem Freund oder Nachbarn gesprochen hat, wurde man geschlagen.“

Das italienische Rettungsprogramm für Flüchtlinge „Mare Nostrum“ war vergangenes Jahr ausgelaufen. Es wurde durch die EU-Grenzschutzmission „Triton“ abgelöst. Menschenrechtler und Hilfsorganisationen sehen darin aber mehr eine Abschreckungsmaßnahme als ein Rettungsprogramm für Menschen in Not. Rom pocht seit langem auf mehr Hilfe aus Europa, um die Flüchtlingskrise in den Griff zu bekommen.

Terror und Gewalt sind in mehreren afrikanischen Ländern präsent. Das Auswärtige Amt hat für diese Länder Reisewarnungen ausgesprochen. „Eine große Gefährdung geht von den afrikanischen Terrororganisationen aus. Allen voran ist derzeit Boko Haram eine Gefahr. Diese Organisation operiert von Nigeria aus“, heißt es. In Somalia herrscht seit Jahrzehnten Bürgerkieg. Auch im Südsudan gibt es militärische Auseinandersetungen.

Ägypten

Terroristische Anschläge und Militäraktionen gab es im Gaza-Streifen und auf der Sinai-Halbinsel.

Algerien

Der Islamische Staat ruft zu terroristischen Aktionen gegen westliche Touristen auf. Besonders die Grenzen zu Libyen, Mali, Tunesien, Niger und Mauretanien sowie zur Westsahara gelten als Anschlagsziele. Die Bergregionen sollten ebenfalls gemieden werden.

Demokratische Republik Kongo

In Lubumbashi ist mit gewalttätigen Übergriffen lokaler Gruppen zu rechnen. Kämpfe zwischen Banden und dem Militär sind in Tanganyika, Haut-Lomani und im nördlichen Haut-Katanga zu befürchten.

Kamerun

Bewaffnete Gruppen operieren in der Region „Extrême-Nord“. Kämpfer stören den Frieden an der Grenze zu Zentralafrika, Nigeria und Tschad, sowie auf der Halbinsel Bakassi und Umgebung.

Libyen

Militärische Auseinandersetzungen, Luftangriffe und Anschläge auf ausländische Einrichtungen sorgen für eine Gefährdung in ganz Libyen.

Mali

Militärische Handlungen im Norden des Landes.

Mauretanien

Die Grenzen nach Mali und Algerien sind unsicher. Weiterhin können terroristische Anschläge in Nouakchott und landesweit nicht ausgeschlossen werden.

Niger

Eine erhöhte Gefahr besteht in den Regionen Maradi, Zinder und Diffa. 2013 wurden Anschläge in Agadez und Arlit verübt.

Nigeria

Die nördlichen Landesteile in Nigeria sind nicht sicher. In den Bundesstaaten Adamawa, Bauchi, Borno, Gombe, Jigwa, Kano, Kaduna, Katsina, Kebbi, Plateau State, Sokoto und Yobe kann es zu Sprengstoffanschlägen und Angriffen auf Märkte, Sicherheitsstreitkräfte, Kirchen, Schulen und Moscheen kommen.

Somalia

Ganz Somalia ist gefährlich. Dies trifft besonders auf Süd- und Zentralsomalia, sowie Puntland und Somaililand zu.

Sudan

Die Regionen Südkordofan und Blauer Nil sollten wegen Kampfhandlungen gemieden werden. In Darfur treiben Banditen ihr Unwesen. Auch die Grenzen zu Libyen, Tschad und Ägypten, sowie der Dinder Nationalpark sind nicht sicher. Bewaffnete und gewaltbereite Gruppen wurden in diesen Gegenden gesichtet.

Süd Sudan

Die Gebiete Lakes, Jonglei, Unity State, Upper Nile und Warrap sind Schauplatz von militärischen Auseinandersetzungen. Andere Landesteile und sogar die Hauptstadt sind nicht sicher. Marodierende Bewaffnete streifen durchs Land.

Tschad

Besonders der Landesteil, welcher an Kamerun angrenzt, ist derzeit gefährdet. Weiterhin sind die Grenze zu Nordost-Nigeria und der Tschadsee Brennpunkte.

Zentralafrika

Straßenüberfälle, Gewaltkriminalität, Plünderung und militärische Handlungen sind im gesamten Land zu befürchten.

 

 

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