UN beklagen Beschuss : Hilfskonvoi erreicht Rebellengebiet Ost-Ghuta

UN-Hilfskonvoi im syrischen Duma. Ost-Ghuta wird seit 2013 von Regierungstruppen belagert, die dort Mitte Februar die schwersten Angriffe seit Beginn des Syrien-Krieges 2011 gestartet hatten.
1 von 2
UN-Hilfskonvoi im syrischen Duma. Ost-Ghuta wird seit 2013 von Regierungstruppen belagert, die dort Mitte Februar die schwersten Angriffe seit Beginn des Syrien-Krieges 2011 gestartet hatten.

Die humanitäre Lage im syrischen Rebellengebiet Ost-Ghuta ist dramatisch. Rund 400 000 Menschen sind dort seit Jahren eingeschlossen. Jetzt treffen zumindest einige Lebensmittel ein.

shz.de von
09. März 2018, 20:06 Uhr

Trotz andauernder Kämpfe hat zum zweiten Mal innerhalb einer Woche ein Hilfskonvoi das schwer umkämpfte syrische Rebellengebiet Ost-Ghuta erreicht.

13 Lastwagen mit Lebensmitteln für 12 000 notleidende Menschen trafen heute in der Stadt Duma ein, wie eine Sprecherin des UN-Nothilfebüros Ocha erklärte. Allerdings beklagten die UN, Beschuss habe die Hilfslieferung bedroht. Trotz Sicherheitsbeteuerungen der Konfliktparteien, darunter auch Russland, sei die Gegend um Duma weiter beschossen worden. Wer dafür die Verantwortung trug, blieb zunächst unklar.

Ocha zufolge brachte der Konvoi der Vereinten Nationen, des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) und des Syrischen Roten Halbmondes Hilfsgüter, die am vergangenen Montag nicht hatten abgeladen werden können. Die erste Lieferung Anfang der Woche musste wegen der heftigen Kämpfe um das Rebellengebiet abgebrochen werden. Viele medizinische Güter hatten zuvor auf Druck der syrischen Regierung aus der Lieferung genommen werden müssen. Eine UN-Sprecherin bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass alle Mitarbeiter das Rebellengebiet am späten Freitagabend wieder sicher verlassen hatten.

Ost-Ghuta vor den Toren der Hauptstadt Damaskus gehört zu den letzten Gebieten in Syrien, die noch von Rebellen kontrolliert werden. Die Region erlebt seit Mitte Februar die schwerste Angriffswelle der Regierung seit Beginn des Bürgerkriegs vor fast sieben Jahren. Aktivisten zufolge konnten die Armee und Verbündete mittlerweile mehr als die Hälfte des bisherigen Rebellengebietes einnehmen.

Rund 400 000 Menschen sind in Ost-Ghuta seit 2013 von der Regierung eingeschlossen. Die humanitäre Lage ist katastrophal. Es fehlt an Nahrung, Trinkwasser, Medikamenten, medizinischen Gütern und Strom. Seit Beginn der Offensive vor gut drei Wochen sind Ärzte ohne Grenzen zufolge mehr als 1000 Menschen in dem Gebiet getötet worden.

Das UN-Kinderhilfswerk forderte die Konfliktparteien auf, Hilfslieferungen für Ost-Ghuta zu ermöglichen. «Wir brauchen endlich eine Waffenruhe, die diesen Namen verdient», sagte der Unicef-Regionaldirektor für Nahost und Nordafrika, Geert Cappelaere, in Amman. «Wie soll unser medizinisches Personal dort arbeiten, wenn Konfliktparteien medizinische Güter aus den Konvois entfernen?» Nach Angaben von Unicef sind inzwischen 40 Prozent der rund 200 000 Kinder in dem umkämpften Gebiet chronisch unterernährt.

Eine vom UN-Sicherheitsrat geforderte 30-tägige Waffenruhe für ganz Syrien ist in Ost-Ghuta ohne Wirkung geblieben. Die Gewalt geht jedoch während einer von Russland angeordneten täglichen fünfstündigen Feuerpause zurück. Hilfsorganisationen beklagen allerdings, die Zeit reiche für Lieferungen nicht aus. Russland ist einer der wichtigsten Verbündeten der syrischen Regierung.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert