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Kämpfe in Syrien : Hilferufe aus Aleppo über Twitter: Rotes Kreuz verhandelt über Abzug von Zivilisten

vom
Aus der Onlineredaktion

Videos mit Hilferufen aus dem umkämpften Gebiet verdeutlichen die Dringlichkeit der Situation. Die Bürger sind in Lebensgefahr.

Aleppo | Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) verhandelt nach eigenen Angaben über eine sichere Flucht von Hilfskräften und Zivilisten aus den Rebellengebieten in Ost-Aleppo. Derzeit fehlten aber noch Sicherheitsgarantien, sagte eine Sprecherin. Oppositionsnahe Hilfsorganisationen hatten die internationale Gemeinschaft in einem eindringlichen Appell um Hilfe gebeten, weil die Menschen um ihr Leben fürchteten. In Ost-Aleppo mehren sich Berichte über zahlreiche getötete Zivilisten.

Assad-Truppen haben seit November mit russischer Hilfe stetig Teile der Rebellenhochburg Ost-Aleppo zurückerobert. Die Lage für Kämpfer und Zivilisten in den Rebellengebieten in Ost-Aleppo wird immer aussichtsloser. Augenzeugen berichten von vielen Toten auf den Straßen.

Nach UN-Angaben haben syrische Pro-Regierungstruppen bei ihrer Offensive in Ost-Aleppo mindestens 82 Zivilisten getötet. Die Vereinten Nationen hätten Berichte erhalten, nach denen regimetreue Truppen in den Rebellengebieten in Häuser eingedrungen seien und Menschen getötet hätten, sagte UN-Sprecher Rupert Colville am Dienstag in Genf. Man habe die schlimmsten Vorahnungen für diejenigen Verbliebenen, die sich noch in der „letzten höllischen Ecke“ der Oppositionsgebiete in Aleppo aufhielten. Den UN-Informationen zufolge wurden zudem zahlreiche Zivilisten inhaftiert.

Verzweifelte Menschen veröffentlichen Videos mit Hilferufen aus dem umkämpften Gebiet.

Lina Shamy fleht um Hilfe und um ein Ende der Waffengewalt

Zouhir al-Shimale berichtet von Toten auf der Straße.

In einem eindringlichen Appell flehten mehrere oppositionsnahe Hilfsorganisationen um Hilfe. Die Erklärung, die unter anderem von der Rettungsorganisation Weißhelme unterzeichnet wurde, fordert einen sicheren Abzug von Zivilisten und Helfern aus der Stadt. „Wir fürchten um unser Leben“, heißt es in der Erklärung. Rund 100.000 Zivilisten seien auf engstem Raum eingesperrt. In einigen Gebäuden würden sich mehr als 500 Menschen verstecken. Die Gruppen fürchten, dass das Regime von Syriens Machthaber Baschar al-Assad im Falle eines Sieges über die Rebellen Aktivisten und Helfer gezielt töten oder verschleppen könnte.

„Wir sind seit mehr als einer Woche mit den verschiedenen Seiten in Kontakt“, sagte Ingy Sedky vom IKRK. Allerdings fehle es an Sicherheitsgarantien. Auch der UN-Nothilfekoordinator für Syrien, Jan Egeland, rief Russland und die syrische Führung dazu auf, eine Feuerpause in der umkämpften Stadt Aleppo zuzulassen. Dann könnten Verletzte und andere gefährdete Gruppen aus den Trümmern der Metropole geholt werden, schrieb Egeland auf Twitter. Moskau und Damaskus seien rechenschaftspflichtig für alle Gräueltaten, die Regierungstruppen und verbündete Milizen derzeit in Aleppo verübten.

UN-Menschenrechtskommissar Said Raad al-Hussein plädierte in Genf dafür, auf die Schreie der Menschen in den umkämpften Gebieten zu hören. „Die Zerschlagung Aleppos, die unermesslichen schrecklichen Opfer seines Volkes, das Blutvergießen, die mutwilligen Abschlachtungen von Männern, Frauen und Kindern, die Zerstörung - und wir sind immer noch nicht am Ende dieses grausamen Konflikts.“ Es müsse unabhängigen Beobachtern erlaubt werden, die Inhaftierung von Menschen durch staatliche Sicherheitskräfte zu begleiten, forderte Al-Hussein.

Bei der Militäroffensive sind nach Berichten der Beobachtungsstelle für Menschenrechte im vergangenen Monat insgesamt fast 600 Zivilisten getötet worden. 463 Zivilisten seien durch Luftangriffe und Artilleriebeschuss des Regimes in den Rebellengebieten im Osten Aleppos getötet worden, rund 130 starben demnach in Gebieten, die das Regime im Westen der Stadt kontrolliert, durch Rebellenbeschuss.

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erstellt am 13.Dez.2016 | 17:19 Uhr

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