Der Antisemitismus der Einwanderer : Hetze durch Muslime: Juden fühlen sich im Stich gelassen

Purer Hass: Muslime verbrennen in Berlin eine israelische Fahne.
Purer Hass: Muslime verbrennen in Berlin eine israelische Fahne.

Seit Tagen hetzen Muslime in deutschen Großstädten gegen Juden – diese fühlen sich von der Polizei nicht ausreichend unterstützt.

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14. Dezember 2017, 09:46 Uhr

Berlin | Auf deutschen Straßen verbrennen israelische Fahnen. Und während Davidsterne in Flammen stehen, skandieren junge Männer – meist arabisch- und türkischstämmig – „Tod den Juden!“. Aus Demonstrationen gegen die amerikanische Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt sind antisemitische Pogrome geworden – in Berlin, in Düsseldorf und anderen Großstädten. Seit Tagen geht das so, weitere Demonstrationen sind bereits angemeldet.

Seit 15 Jahren ist Walter Blender Vorstand der jüdischen Gemeinde in Schleswig-Holstein. In seiner dortigen Funktion und in seinem Beruf als Kriminalbeamter hat Blender viel erlebt. Doch die gespenstischen Szenen dieser Tage hauen ihn um: „Wir lassen viel zu viel laufen“, sagt Blender im Gespräch mit dem sh:z. „Wenn jemandem der Tod gewünscht wird, müssen solche Kundgebungen sofort aufgelöst werden“, fordert er. Die Realität ist aber oft eine andere. In Berlin griff die Polizei nicht ein, um die Lage nicht eskalieren zu lassen. Für Blender ist das ein Zurückweichen des Staates.

Die Massenaufmärsche beunruhigen auch die 2000 Mitglieder der nördlichsten deutschen jüdischen Landesgemeinde. „Wir sind alle erschrocken über das, was da passiert“, so Blender. In diesen Tagen kommen nur noch halb so viele Mitglieder wie sonst üblich zu den Gottesdiensten und Gebeten in die Synagogen. Man wolle kein Ziel für Attacken sein, erklärt der Gemeindevorstand.

Die Bedrohung kann Blender konkret benennen: „Angst macht uns der Antisemitismus der Einwanderer“, sagt er. Aus seinen Gesprächen mit langjährigen Vorständen islamischer Gemeinden, habe er erfahren, dass auch diese kaum an die neuen Zuwanderer herankommen. „Diese Leute sind offenbar schwer zu kontrollieren“, sagt Blender. Außerdem: „Der Antisemitismus von rechts spielt gerade überhaupt keine Rolle mehr. Jetzt geht es gerade nur noch um diese neue Gruppe.“

Gestützt werden Blenders Eindrücke von einer Studie, die das American Jewish Committee Berlin in Auftrag gegeben hat. Erste Ergebnisse wurden Mittwoch veröffentlicht. Sie beruhen auf Umfragen, die der Antisemitismusforscher Günther Jikeli von der Universität Potsdam unter 68 geflüchteten Männern und Frauen aus Irak und Syrien im Alter von 18 bis 52 Jahren gemacht hat.

  • Der Tenor: Israelfeindliche Haltungen und antisemitische Stereotype sind unter ihnen weit verbreitet, bis hin zu „genozidalen Einstellungen“.
  • Die Ausnahme: Angehörige von Minderheiten ihrer Herkunftsländer: „Insbesondere einige Kurden zeigen deutlich pro-jüdische und pro-israelische Einstellungen“, heißt es in der Studie. Der Rest ist niederschmetternd. Ein „grundsätzlich negatives Israelbild und eine Infragestellung des Existenzrechts Israels“ sei für fast alle arabischen Interviewten selbstverständlich.
  • Für die Gemeinden in Deutschland und anderswo besonders fatal: Nicht alle erkennen den Unterschied zwischen Israel und Juden (etwa 75 Prozent der Menschen in Israel sind Juden, knapp 17 Prozent aber auch Muslime).
  • Besorgniserregend ist außerdem, dass die Befragten aus Jikelis Studie nach Auskunft ihrer Sozialarbeiter zu den eher „aufgeschlossenen und toleranten“ Geflüchteten gehören, die sich um Integration und Kontakt mit der deutschen Bevölkerung bemühen. Man mag sich kaum vorstellen, wie es bei weniger engagierten Flüchtlingen aussieht.
     
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