zur Navigation springen

Nach Kohl-Abrechnung : Helmut Kohl – Der Patriarch

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die zwei Gesichter des Helmut Kohl – ein Kommentar von Stephan Richter.

shz.de von
erstellt am 06.Okt.2014 | 09:51 Uhr

Auf 200 Tonbändern hat sich Altkanzler Helmut Kohl seinem früheren Biografen Heribert Schwan anvertraut. Die Frage, ob der Journalist die Gespräche auch nach seinem Bruch mit dem langjährigen CDU-Vorsitzenden nutzen darf, muss wohl der Bundesgerichtshof entscheiden. Doch wenn Kohl glaubt, eine Veröffentlichung seiner Äußerungen juristisch unterdrücken zu können, dann übersieht er die Möglichkeiten, entsprechende Nutzungsverbote zu umgehen. Je brisanter die Aussagen, desto wahrscheinlicher, dass etwas durchsickert und der Altkanzler Mühe hat, ihm zugeschriebene Zitate einzufangen. Hängen bleibt immer etwas.

So sind die jetzt kursierenden, abfälligen Äußerungen des einstigen Regierungschefs über seine damalige Umweltministerin und heutige Kanzlerin Angela Merkel, über seinen früheren Arbeitsminister Norbert Blüm oder über Ex-Bundespräsident Christian Wulff Beweis für die zwei Gesichter des CDU-Patriarchen. Nach außen hin stellte er sich vor sein Personal, doch hinter den Kulissen bügelte er manchen Parteifreund wie Schulmädchen oder -jungen ab.

Es sind dieselben zwei Gesichter, die auch in der CDU-Parteispenden-Affäre zu sehen waren. Bis heute hat Kohl nicht die illegalen Geldgeber genannt. Da schaltet der Altkanzler auf stur. Bei den auf den Tonbändern festgehaltenen Gesprächen ist die Taktik des Aussitzens schwieriger. Geheimnisse kann man mit ins Grab nehmen, einmal Gesagtes nicht.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen