Hellenisches Horrorerbe

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28. Januar 2015, 12:27 Uhr

Die um sich greifende Abneigung gegen die Griechen ist ungerecht, aber verständlich. Bei der Suche nach den wahren Gründen für das allgemeine Genörgel muss die tiefste Vergangenheit hinzugezogen werden. Auf der Haben-Seite der Hellenen steht, was sie uns als klassisches Erbe hinterlassen haben. Nur einige große Namen seien genannt. Nein, nicht Nana Mouskouri, Mikis Theodorakis oder Costa Cordalis, sondern Euklid, Aristoteles, Thukydides, Hippokrates, Homer, Pythagoras (a2 + b2 = c2). Auch wenn sich selten die Notwendigkeit ergibt, den Inhalt der von einem Dreieck gebildeten Quadrate zu berechnen und die Ilias auch nur noch auf wenigen Nachttischen liegt, von einem guten Ruf lässt sich lange zehren. Doch damit zur dunklen Seite der Vergangenheit. In Schulzeiten waren die Ereignisse im Mittelmeerraum der reinste Horrortrip. Da kämpfte jeder gegen jeden, tauchten berühmte Herrscher wie Alexander, Perikles und Dragon auf, schufen große Reiche und hinterließen Chaos. Prüfungen in griechischer Geschichte, das war stets ein Fall für das Jugendamt. Die damals gelegte Saat des Hasses wird heute von „Bild“ gehegt und gepflegt.

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