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Nach Kirchen-Massaker in Charleston : Hass oder Historie? Streit um die Konföderierten-Flagge

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Die Konföderierten-Flagge aus dem US-Bürgerkrieg ist für viele Südstaatler ein Stück Identität. Kritiker sprechen hingegen von einem Symbol der Sklaverei.

shz.de von
erstellt am 23.Jun.2015 | 11:25 Uhr

Columbia | Nach dem Kirchen-Massaker von Charleston kommt Bewegung in die Diskussion um die umstrittene Konföderierten-Flagge aus der Zeit des US-Bürgerkrieges. South Carolinas republikanische Gouverneurin Nikki Haley will das rote Banner vom Kapitol in der Hauptstadt des Bundesstaats in Columbia entfernen lassen. Zudem stoppt der größte US-Einzelhändler Walmart den Verkauf von Artikeln mit der Konföderierten-Flagge.

Die bekannte „Rebellenflagge“, auch „Südstaatenflagge“ genannt, war niemals die offizielle Nationalflagge der Konföderierten Staaten, sondern die Kriegsflagge der Army of Northern Virginia, also der Hauptarmee der Konföderierten ab 1861. Sie war allerdings quadratisch und nicht rechteckig. In ihrer rechteckigen Form entspricht sie der Kriegsflagge der Armee von Tennessee ab 1864 bzw. dem Gösch der Kriegsmarine ab 1863.

„Diese Flagge, wenngleich ein wesentlicher Bestandteil unserer Vergangenheit, vertritt nicht die Zukunft unseres großartigen Staates“, sagte Haley am Montag. Durch ihre Entfernung könne der neun Afroamerikaner gedacht werden, die vergangene Woche in einer Kirche in Charleston von einem 21-jährigen weißen Einzeltäter ermordet wurden.

Haley twitterte, dass zum Unabhängigkeitstag die Landes- und die Staatsflagge wehen werden „und keine anderen“.

Die Flagge aus Bürgerkriegszeiten (1861-1865) steht Kritikern zufolge für die Bereitschaft der damals zusammengeschlossenen Südstaaten, in den Krieg gegen die nördlichen US-Bundesstaaten zu ziehen, um die Sklaverei beibehalten zu können. Sie wurde auch eingesetzt, um Afroamerikaner einzuschüchtern. Befürworter sehen sie dagegen unter anderem als Symbol, um der Kriegsopfer ihrer Vorfahren zu gedenken. Neben South Carolina wird auch in anderen Südstaaten immer wieder über die Verwendung der Flagge diskutiert, etwa in Florida, Georgia und Mississippi.

Einige distanzieren sich von der „Südstaatenflagge“. „Dies ist nicht meine Flagge“, demonstriert dieser Mann.

Ein anderer empfindet die Entwicklung als Schande. Die Fahne möge lange in den Herzen und Seelen weiterwehen, wünscht sich ein Twitterer. Sie sei ein historisches Symbol.

Die aktuelle Debatte ist inzwischen auch beim Einzelhandel angekommen. Walmart und andere Händler wollen nun handeln. „Wir wollen nie jemanden mit unseren Produkten angreifen“, sagte ein Walmart-Sprecher am Montag dem Sender CNN. Walmart hatte die Flagge selbst und andere Artikel wie T-Shirts oder Gürtelschnallen mit dem Abzeichen bislang im Angebot. Laut CNN verkaufen auch Ebay und Amazon solche Produkte. Bislang hätten die Unternehmen sich nicht dazu geäußert.

Die Konföderierten-Flagge sendet nach Auffassung vieler Zeitungskommentatoren das falsche Signal. „Sie symbolisiert Abspaltung, das Gutheißen der Sklaverei und eine Haltung gegen Bürgerrechte“, schrieb etwa die „Washington Post“ in einem Leitartikel. In der Lokalzeitung „Charleston Post and Courier“ heißt es: „Es wird Zeit, die Flagge einzuholen (...) es gibt keinen angemessenen Platz für sie am Kapitol - nicht nach dem tragischen Mord an neun Menschen in der Emanuel-Kirche in der Calhoun Street.“

Präsident Barack Obama will nach Angaben des Weißen Hauses am Freitag die Grabrede für den bei dem Blutbad in Charleston ermordeten Pfarrer Clementa Pinckney halten. Obama kannte den Mann, der demokratischer Senator im Landesparlament ist, persönlich. Das Massaker, bei dem sechs Frauen und drei Männer im Alter von 26 bis 87 Jahren ums Leben kamen, hat in den USA neue Ängste über rassistisch motivierte Angriffe geschürt. Es folgt auf die Tode mehrerer unbewaffneter Afroamerikaner durch weiße Polizisten. Walter Scott war etwa Anfang April im benachbarten North Charleston von einem Polizisten in den Rücken geschossen worden.

Auf Twitter fordern viele unter dem Hashtag #Takedownthatflag („Holt diese Flagge ein“), auf das Verwenden der Flagge zu verzichten. Sie sei ein Symbol der Weißen Vorherrschaft. „Was wäre, wenn Deutschland noch die Nazi-Flagge wehen lassen würde?“, fragt ein Twitter. Eine andere meint: „Es geht nicht um Erbe und Geschichte. Es geht um Hass.“

 

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