Happy Birthday, Angela Merkel

thomas habicht
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Die laut Forbes-Magazin mächtigste Frau der Welt feiert am Donnerstag ihren 60. Geburtstag / Statt Schlemmereien gibt es einen Vortrag

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13. Juli 2014, 14:34 Uhr

Dem Partyservice des Berliner Konrad-Adenauer-Hauses der CDU entgeht ein lukrativer Auftrag. Angela Merkels 60. Geburtstag am Donnerstag ist als kalorienarme Veranstaltung geplant. Den 10-Kilo-Erfolg ihrer Schlankheitskur will die Kanzlerin nicht gefährden, sondern die Tradition ihres 50. Geburtstages fortsetzen. Während Helmut Kohl bei solchen Gelegenheiten fleischreiche Platten auftischte, Gerhard Schröder seine Gäste für den Rest des Tages durch Rotwein arbeitsunfähig machte, beschenkte Merkel ihre Gratulanten zum 50. mit dem Vortrag eines Hirnforschers über Intelligenz. Vorgeblich zeigte sich das Auditorium beeindruckt. In Wahrheit waren viele hungrig und nur wenige hatten den Referenten verstanden. Zu ihrem 60. bittet Merkel nun den Konstanzer Historiker Jürgen Osterhammel als Festredner. Studien über die Globalisierung machten ihn bekannt. Das mag die Kanzlerin als Kontrapunkt zur weltvergessenen Umverteilungspolitik ihrer Koalition verstehen.

Als „mächtigste Frau der Welt“ kürte das US-Forbes Magazin gerade wieder die Kanzlerin. Doch ist die Pfarrerstochter aus Templin eine Seiteneinsteigerin in die Politik. Erst im dritten Lebensjahrzehnt wurde Merkel vom letzten DDR-Ministerpräsidenten Lothar de Maizière in sein Presseamt berufen. Vetter Thomas hatte ihn auf die Physikerin von der Oppositionsbewegung Demokratischer Aufbruch hingewiesen.

Im Gespräch mit CDU-Veteranen lässt sich Merkel gern von deren Seilschaften berichten, die zu Zeiten der Jungen Union geknüpft wurden und oft über Jahrzehnte hielten. Nüchtern stellt sie dann fest, über kein solches Netzwerk zu verfügen. Trotzdem ist die CDU heute mehr als bei früheren Kanzlern von der Popularität Merkels abhängig. Über ihre DDR-Vergangenheit kursieren ebenso wilde Spekulationen wie über ihre Doktorarbeit. Selbst ernannte Plagiats-Forscher fanden jedoch keinen Anhaltspunkt für Unregelmäßigkeiten, zumal Plagiate in naturwissenschaftlichen Promotionen schwerer möglich sind als bei Geisteswissenschaftlern. Unter dem Buchtitel „Das erste Leben der Angela M.“ listete ein Berliner Historiker Verdachtsmomente wegen ihrer früheren Tätigkeit als Funktionärin der DDR-Jugendorganisation FDJ auf. Nicht minder bösartig äußerte Günter Grass, Merkel habe eine doppelte Ausbildung erfahren – als FDJ-Sekretärin und bei Helmut Kohl. Regimenah war Merkel aber schon deshalb nicht, weil sie als Pfarrerstochter nicht das studieren durfte, was sie eigentlich wollte: Sprachen. Vielmehr wurde ihr pragmatischer Sinn für das Erreichbare zu DDR-Zeiten geschärft. Wolfgang Thierse, der damals selbst zwischen Anpassung und Widerstand lavierte, fand dafür eine wenig schmeichelhafte Formulierung: „So ist sie eben – ohne starke Überzeugungen, heute dies, morgen das.“ Konservative CDU-Mitglieder stimmen aus vollem Herzen zu.

Dass Merkels Sinn für’s Praktische aber auch mit Grundsatztreue einher geht, zeigte sich beim EU-Gipfel: Die Regierungschefs diskutierten das Problem der Jugendarbeitslosigkeit. Alle waren sich einig, dass mehr geschehen müsse. Südeuropäische Teilnehmer forderten mehr Geld. Doch Merkel erinnerte sich an ein Sechs-Milliarden-Programm, das die EU schon vor Jahren gegen Jugendarbeitslosigkeit aufgelegt hatte. Sie stellte fest, dass noch kein Euro ausgegeben wurde. Da beschied Merkel ihre Kollegen, man werde erst über mehr Geld sprechen, wenn die vorhandenen Milliarden jugendlichen Arbeitslosen zugute gekommen seien.

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