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Staatsakt für ehemaligen Außenminister : Hans-Dietrich Genscher – Würdigung als „Titan“ und „Brückenbauer“

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Er war ein Akteur der Weltpolitik, aber auch ein Menschenfreund, der nie die Bodenhaftung verlor: Beim Staatsakt in Bonn wurde Abschied genommen.

Bonn | Die Bundesrepublik hat am Sonntag mit einem feierlichen Staatsakt in Bonn Abschied von ihrem langjährigen Außenminister Hans-Dietrich Genscher genommen. Der ehemalige US-Außenminister James Baker sagte in seiner Rede, der verstorbene Politiker sei ein „Titan unter den Diplomaten Europas“ gewesen. Mehrfach klang an, dass sich Genscher in den letzten Wochen seines Lebens große Sorgen sowohl um die Einheit Europas wie auch um die Beziehungen zu Russland gemacht hatte.

Ein Staatsakt ist eine Zeremonie, die Ministern nur selten zuteil wird. Aufgrund seiner besonderen Verdienste für die Bundesrepublik Deutschland wurde das Zeremoniell für den am 31. März im Alter von 89 Jahren gestorben Genscher angeordnet.

Der ehemalige Außenminister Klaus Kinkel würdigte seinen Vorgänger und FDP-Parteifreund als einen „Akteur der Weltpolitik“ und gleichzeitig als „Menschenfreund“ und „Brückenbauer“. „Er war ein Meister des Gesprächs“, sagte Kinkel. „Er prägte den Wandel vom Rüsten zum Reden.“ Die deutsche Einheit sei Krönung seiner politischen Arbeit gewesen: „Die Wiedervereinigung war ganz stark das Werk Helmut Kohls und Hans-Dietrich Genschers.“ Kinkel betonte, das Vermächtnis Genschers seien das geeinte Europa, das transatlantische Bündnis mit den USA, aber auch gute Beziehungen zu Russland. „Als er bei öffentlichen Auftritten zum Schluss schon im Rollstuhl saß, hielt er noch flammende Vorträge zu seinem Europa, verbunden mit dem Wunsch des Neubeginns der Beziehungen zu Russland.

 

Immer wieder wies er darauf hin, es müsse in diesem Kontext ein Szenario geschaffen werden, bei dem niemand als Verlierer dastehe.“ Zuvor hatte Bundespräsident Joachim Gauck Genscher als einen „deutschen Patrioten und überzeugten Europäer“ hervorgehoben. In seiner „glücklichsten Stunde als Politiker“ habe er den DDR-Flüchtlingen in der Prager Botschaft der Bundesrepublik ihre Ausreise angekündigt. Doch ebenso leidenschaftlich wie für die deutsche Einheit habe sich Genscher für das geeinte Europa eingesetzt.

 

Ex-Außenminister Baker erinnerte sich, Genscher sei nach der Wiedervereinigung in seiner Geburtsstadt Halle wie auch in anderen Städten der ehemaligen DDR „wie ein Rockstar gefeiert“ worden. Der evangelische Theologe und Publizist Friedrich Schorlemmer bezeichnete Genscher als den „fröhlichste(n) Hallenser aller Zeiten“. Zahllose Politiker seien von ihm nach Halle „geschleppt“ worden, so dass die Stadt in Sachsen-Anhalt „weltberühmt“ geworden sei. Die Bodenhaftung habe Genscher trotz aller Höhenflüge nie verloren.

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erstellt am 17.Apr.2016 | 14:01 Uhr

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