„Cold Cases“ : Hamburger Polizei schafft Sondereinheit für ungeklärte Mordfälle

Für die „Cold Cases Unit“ wurden LKA-Beamte mit einem besonders kritischen und hartnäckigen Blick ausgewählt.
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Für die „Cold Cases Unit“ wurden LKA-Beamte mit einem besonders kritischen und hartnäckigen Blick ausgewählt.

Die „Cold Cases Unit“ wird sich vermutlich mit dem Fall Hilal Ercan beschäftigen, die als zehnjährige verschwand. Im Oktober soll die Einheit ihre Arbeit aufnehmen.

shz.de von
14. September 2016, 09:47 Uhr

Mord verjährt nicht: Hamburgs Kripo will mit einer speziellen Ermittlungsgruppe ungeklärte Kriminalfälle neu aufarbeiten. Das hat der Leiter des Landeskriminalamts (LKA), Frank-Martin Heise, angekündigt. Ziel sei es „mit unverstelltem Blick erneut auf den Fall, auf die Ermittlung zu gucken und zu überlegen, ob wir neue, andere Ermittlungsansätze haben“.

Dass lange nach einem Verbrechen Morde aufgeklärt werden können, zeigt auch ein Fall aus Schleswig-Holstein. Nach 35 Jahren wude jüngst der Mörder von Erna Ganz aus Schleswig gefasst. Dank moderner Ermittlungsmethoden wie der Erfassung von DNA-Profilen ging den Ermittlern der Täter ins Netz.

„Cold Cases Unit“ nennen Kriminalisten eine solche Gruppe, die sich über lange zurückliegende Vorgänge beugt, die bis dato als nicht aufklärbar gelten. Für das vierköpfige Team, das im Oktober seine Arbeit aufnehmen soll, seien LKA-Beamte mit einem besonders kritischen und hartnäckigen Blick ausgewählt worden. Sie setzen laut dem LKA-Chef unter anderem auf die moderne Kriminaltechnik. So habe sich die Auswertung von DNA-Material erheblich verfeinert. Zudem gebe es inzwischen beispielsweise forensische Leuchten, mit denen bisher unsichtbare Spuren erkennbar gemacht werden könnten. Zugleich sollen die Fahnder die Akten nochmals unvoreingenommen in Gänze betrachten, um neue Ansätze zu finden.

Zu den „Cold Cases“ gehört der Fall der Schülerin Hilal Ercan. Die Zehnjährige war im Januar 1999 nach einem Besuch im Einkaufszentrum Elbgaupassagen verschwunden. Bis heute fehlt jede Spur von der Schülerin aus Lurup. Zwischenzeitlich hatte ein Sexualstraftäter die Ermordung Hilals zugegeben, sein Geständnis aber später zurückgezogen. Belege für seine Schuld fand die Mordkommission nicht.

Hilal Ercan: Die damals Zehnjährige verschwand 1999 in Lurup spurlos. Womöglich wurde das Mädchen getötet.
Foto: Polizei
Hilal Ercan: Die damals Zehnjährige verschwand 1999 in Lurup spurlos. Womöglich wurde das Mädchen getötet.

Überprüft wird vermutlich auch der gewaltsame Tod von Brigitte Erdmann. Die 30-jährige Anwältin war 1983 erstochen in ihrer Alsterdorfer Wohnung entdeckt worden.

Brigitte Erdmann: Die „schöne Anwältin“ wurde 1983 erstochen in ihrer Wohnung in Alsterdorf entdeckt.
Foto: Polizei
Brigitte Erdmann: Die „schöne Anwältin“ wurde 1983 erstochen in ihrer Wohnung in Alsterdorf entdeckt.
 

Der LKA-Chef sieht die Überprüfung solch unerledigter Altfälle als Verpflichtung gegenüber den Strafgesetzen – sowie gegenüber Opfern und deren Angehörigen. Heise: „Unsere Botschaft ist klar: Bei uns haben Tote eine Lobby.“

Nicht nur in Hamburg, sondern auch in Schleswig-Holstein gibt es ungeklärte Morde. Einer von ihnen ist der an der damals 20-jährigen Heike oder das blutige Rätsel um einen Bauern aus dem Kreis Segeberg.

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